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Harry-2005-01

Name: Harry
Geschlecht: männlich

DSCN1062DSCN1626Harryu.LHarry am TeichHarry bucktHarry winkt

Beschreibung:

Mit etwas Vorsicht sehr zu genießender Foxhound.

Harry stammte aus Russland und kam als Notfall aus der Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ von einer anderen Tierschutzorganisation, die ihn mehrfach erfolglos vermittelt hatte, zu uns. Er war immer wieder wegen Aggressivität gegen Menschen, Hunde, Katzen – so ziemlich alles, was sich bewegte – zurückgegeben worden.

Hunde haben genetisch bedingt ein deutliches Rangordnungsbewusstsein. Kombiniert mit massiven Ängsten, speziell in Folge von Misshandlung durch Menschen, kann das schon einmal eine explosive Mischung sein. Auch sonst zeigte Harry anfangs etliche Eigenschaften, die zwar unangenehm, für Tierheim- oder andere Hunde mit Zwingervergangenheit aber durchaus gängig sind. Zum Beispiel urinierte er mal eben gegen die Zimmerwand und hatte panische Angst, Gegenstände in den Mund zu nehmen. Er besaß generell kein Vertrauen zu Menschen. Immer wieder erwartete er, plötzlich bestraft zu werden.

Alle diese Dinge legten sich, vertrauten Personen gegenüber, durch konsequentes Ignorieren unerwünschter und Belobigung gewollter Verhaltensweisen. Harry durfte und musste nicht gestraft werden. Allerdings setzten wir intensiv deeskalierende Maßnahmen, wie Beschwichtigungsgesten, die Vermeidung Stress erzeugender Situationen und Maulkorbtraining ein.

Harry war immer schwierig – aber er war ein Goldstück mit einem großen Herzen. Schließlich hasste er Katzen und Hunde und eigentlich auch viele Menschen. Doch er hat sich darauf eingelassen, es mit den meisten von denen, die wir ihm angeboten haben, einmal zu versuchen. Er hat sich zu einem Hund entwickelt, der in seinem Rudel gut zurechtkam und für seine Menschen nicht gefährlich war. Er hatte Freude am Leben, allerdings einige Macken, wie sie auch Menschen mit einer unglücklichen Vergangenheit haben können.

Und er war ein zäher Brocken. Er hat seine Nierenerkrankung lange bei guter Lebensqualität ertragen und ist etwa 15 Jahre alt geworden.

Harry fehlt. Er lief nicht einfach so mit, sondern war eine Persönlichkeit, die immer auffiel, im Negativen, wie aber auch meist im Positiven.

Was zwischen Harry und Menschen genau vorgefallen ist, wissen wir bis heute nicht. Viele Hunde werden, bereits wenn sie schnappen, unabhängig vom Hintergrund der Situation, kurzerhand getötet. Einmal gab mir ein Jäger und Hundeausbilder, der von Harrys Aussehen begeistert war, den wohlgemeinten Rat, Harrys noch bestehende Probleme doch mit Elektroschocks per Teletakt zu „behandeln“…
Harrys Entwicklung zeigt, dass man mit entsprechender Rücksichtnahme und Vorsicht auch mit schwierigen Hunden gewaltfrei und gut zusammenleben kann.

 

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