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Neuer Fall vermeidbaren Katzenelends

November 2011
 
heimatlose_KatzeKürzlich wurde uns eine große Gruppe unkastrierter und unversorgter menschenscheuer Hauskatzen gemeldet. Es waren mindestens drei Generation, darunter viele Jungtiere, vielleicht vier Monate alt. Die Tiere wurden hin und wieder von verschiedenen Personen gefüttert, bei der Tierzahl wäre jedoch täglich ein Vielfaches der Futtermenge nötig gewesen. Sie sahen schlecht aus und vor allem der Nachwuchs wirkte knochig bei aufgetriebenem Bauch, hatte Augenausfluss, das Haarkleid war stumpf, schmutzig und strähnig, was auf Krankheit, Mangelernährung, Parasitenbefall etc. hindeutet. Die Tiere litten unter Juckreiz.
 
Kein Ausweg in Sicht
Auch die Anwohner litten unter der Situation, da monatelang keine Hilfe in Sicht war. Die Tiere klagten vor Hunger. Uns wurde berichtet, ein Junges sei bereits gestorben, nachdem es nicht mehr in der Lage war, zu essen. In der Nähe befindet sich ein Gehöft. Wir sprachen dort vor und erfuhren, dass dort unkastrierte menschenscheue Katzen leben. Es liegt nahe, dass von dort immer wieder Katzen nachkommen.
 
Das Tierheim sah sich nach mehreren Anfragen zunächst nicht in der Lage dort einzuschreiten. Da Achtung für Tiere kein Tierheim betreibt, stehen unserem Verein aber weder Mitarbeiter oder geeignete Räume noch Zuschüsse von Stadt und Land zur Verfügung, um solche Probleme zu lösen. Kastrationsaktionen müssen für uns Ausnahmen bleiben. Zunächst schockiert und ratlos, haben wir dann zwei Tage lang alles genau dokumentiert. Wir sprachen mit mehreren Anwohnern und brachten Futtervorräte für die Tiere. Um mit unseren Mitteln ursächlich und nachhaltig zu helfen, hatten wir 2010 die Kastrationspflicht initiiert, die nun bereits seit über einem Jahr besteht.
 
Aus ständigen aktuellen Anlässen bitten wir Sie überall und immer wieder auf die Kastrationspflicht für Freilaufkater und –katzen hinzuweisen. Sie gilt mittlerweile in vielen Städten. Was heimatlose Katzen diesen Winter wieder erleiden werden, ist entsetzlich.
 
Verordnungen allein bewirken noch keinen Bewusstseinswandel
Diesen neuen vermeidbaren Fall großen Tierelends nahmen wir jetzt zum Anlass gegenüber Ordnungsamt, Veterinäramt und Tierheim noch einmal auf die Umsetzung aller 2010 in gemeinsamen Gesprächen mit uns entwickelten Ideen zur Öffentlichkeitsarbeit zu drängen.
 
Was tun?
Außerdem fragten wir, welches Vorgehen üblich ist, wenn das Tierheim sich zum Einschreiten außer Stande sieht. Auf mehrere Nachfragen am selben und am nächsten Tag wurde uns vom Ordnungsamtsleiter zugesichert, das Tierheim würde nun doch eingreifen und die Tiere wurden dann eingefangen und versorgt.
 
Futter macht keine Katzenkinder
In diesem Zusammenhang betonen wir unsere Auffassung, dass nicht aufmerksame Menschen, die das Katzenelend bemerken und den hungernden Tieren Futter geben, für deren massenhafte Fortpflanzung verantwortlich sind. Katzen vermehren sich nicht durch essen, sondern durch Geschlechtsverkehr, weshalb allein diejenigen Verursacher sind, die ihre Tiere unkastriert lassen. Wer hungernde Tiere füttert, beweist Aufmerksamkeit, Verantwortungs- und Mitgefühl, Großzügigkeit und Zivilcourage. Diese Menschen für die Vermehrung der Tiere verantwortlich zu machen lenkt von den wahren Schuldigen ab.
 
Doch natürlich sollte jeder, der hungernde heimatlose Katzen füttert, Hilfe in Sachen Kastration in die Wege leiten. Tierschutz lebt vom Engagement Einzelner. Und auch für Tierschutzorganisationen fallen die finanziellen Mittel nicht vom Himmel. Deswegen sollte jeder betroffene Tierfreund erst einmal prüfen, welchen Beitrag er oder sie selbst leisten kann, um Nachwuchs bei heimatlosen Katzen zu verhindern. Wird ein Einschreiten – entweder durch private Mittel oder mithilfe von Tierschutzvereinen – möglich, ist es wichtig, auch sehr scheue Katzen solange in einem geschützten Raum unter Beobachtung zu halten, bis keine Komplikationen im Heilungsverlauf mehr zu erwarten sind.
 
Gesellschaftliche Verantwortung
Der Steuerzahler in NRW wird derzeit zweifach für deren Versäumnisse zur Kasse gebeten: Zum einen durch die Zuschüsse der Kommunen für die Versorgung der (Fund-)Tiere. Zum anderen hat unser aller engagierte Aufklärung über das Katzenelend Erfolg gebracht und das Land stellte in diesem Jahr 200.000 Euro Zuschüsse für Tierschutzvereine zur Verfügung, die heimatlose Katzen kastrieren. Auch wenn unser Verein diese Zuschüsse nicht nutzen kann, sehen wir darin einen großen Fortschritt. Unsere Gesellschaft hat zu verantworten, dass es Katzen gibt, dass sie domestiziert und nicht mehr ohne Hilfe lebensfähig sind. Und man hat viel zu spät reagiert und das Katzenelend sehenden Auges entstehen lassen. Also ist es richtig, dass nun auch die Gesellschaft für dessen Linderung aufkommt.
 
Kastrationspflicht nicht geheim halten
Wir sehen allerdings die Gefahr, dass, wenn die Kastrationspflicht nun nicht energisch  propagiert wird, diese Förderung effektlos verpufft. Verantwortungslose Tierhalter dürfen ihr Unwesen nicht weiter treiben und die Bemühungen von Steuerzahlern und Tierschutzorganisationen binnen kürzester Zeit zunichtemachen. Alle, Tierfreundinnen und Tierfreunde, aber vor allem auch die Ordnungs- und Veterinärämter mit ihrer hoheitlichen Autorität müssen Druck ausüben, damit uneinsichtige Kater- und Katzenhalter ihr tierfeindliches und asoziales Verhalten ändern.

Kastrationspflicht umsetzen

Pressemitteilung zu den nötigen Bemühungen für die praktische Umsetzung der Kastrationspflicht in Gütersloh >>.

Erfolg! Kastrationspflicht in Gütersloh in Kraft

Anfang Oktober 2010 wurde die Kastrationspflicht vom Rat der Stadt Gütersloh beschlossen. Sie ist nun in Kraft. Wir freuen uns über diesen Erfolg. Im Frühjahr 2010 hatte Achtung für Tiere die Kastrationspflicht durch Schreiben an Stadt, Kreis und Tierschutzverein initiiert.
Bitte helfen Sie mit, die Kastrationspflicht bekannt zu machen: Sprechen Sie über die Pflicht zur Kastration von Katzen mit Freilauf, legen Sie Flyer aus und unterstützen Sie uns auch weiterhin mit Unterschriften in der Forderung nach einer bundesweiten Lösung. Informationsmaterial finden Sie hier:

Kastrationspflicht in Gütersloh - Stand Oktober 2010

tl_files/_aft/bilder/tiere/Katzen/Lilly/Lilly-2006-01.JPGSeit Jahresanfang setzen wir uns für die Kastrationspflicht für alle Freilaufkatzen in Deutschland und konkret vor Ort im Gütersloher Raum ein. Dazu fanden bereits mehrere Gespräche mit einem Vertreter des Fachbereichs Ordnung, dem Veterinäramt und dem Tierheim statt. Wir erarbeiteten Argumente und Strategien, um die Kastrationspflicht ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen. Dazu werden künftig unter anderem zwei Flyer dienen.
 
Zeitgleich laufen auch in Bielefeld umfangreiche Aktivitäten und wir schlossen uns dem Forum Tierschutz OWL an, in welchem diverse Tierschutzorganisationen gemeinsam bestimmte Themen voranbringen wollen.
 
Am Montag, den 27. September, stand die Kastrationspflicht auf der Tagesordnung des Umweltausschusses. Dafür hatten wir auf die Schnelle noch eine Tischvorlage erstellt, die Sie unten ("Argumentationshilfe") nachlesen und gerne auch verbreiten können. Die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Freilaufkatzen wurde von allen Parteien ohne Gegenstimmen befürwortet. Wenn uns am Entwurf der Stadt auch noch einiges verbesserungswürdig erscheint, so ist jetzt doch ein Anfang gemacht.

Kastration schützt Katzen

„Ach, das regelt sich schon. Wir sind noch immer alle Kleinen losgeworden. Außerdem überleben sowieso nicht alle.“ – Diese oder ähnliche Antworten bekommt man oft von Menschen, die in Katzen billige „Schädlingsbekämpfer“ sehen, auf die Frage, ob sie die Tiere nicht kastrieren lassen wollen.

Sicher kann man die Tiere immer irgendwie „loswerden“ – selbst wenn man nicht selber Hand anlegt, durch Ertränken oder Totschlagen überzähliger Katzenkinder.

Die Jungtiere, die nicht in andere, meist fremde Hände abgegeben werden können, werden später oft von den alteingesessenen Katzen vertrieben. Enden sie auf ihrer Suche nach einem neuen Revier nicht völlig ausgehungert, verwurmt und verfloht in einem Tierheim, werden sie, entkräftet und desorientiert, häufig Opfer von Jägern oder dem Straßenverkehr. Viele Tiere quälen sich schwer verletzt tagelang in den Tod, weil ihre Verletzungen nicht sofort tödlich waren. Niemand weiß, wie viele Katzen allein in Deutschland jedes Jahr auf diese Weise qualvoll sterben.

 

tl_files/_aft/bilder/tiere/Katzen/Meerschweinchen/Meerschweinchen-2008-01.JPGHartnäckig hält sich bei vielen Menschen die unbegründete Meinung, dass eine weibliche Katze ein Mal Junge haben sollte. Dadurch explodiert die Katzenpopulation rasch.  Gelingt es nicht, den Nachwuchs unterzubringen, werden die Tiere ausgesetzt oder einem Tierheim vor die Tür gestellt. Die Tierheime sind voll mit heimatlosen Katzen, die auf ein lebenswertes Leben warten. Oft fehlt dort schließlich sogar für Härtefälle der Platz.

 

Weil die konkreten Folgen der Liebesabenteuer eines Katers außer Sichtweite sind, werden bei diesen noch öfter die Kosten für eine Kastration eingespart. Diese vermeintliche Ersparnis kommt Mensch und Tier allerdings teuer zu stehen. Der Deutsche Tierschutzbund spricht von 240 Millionen möglichen  Nachkommen eines einzigen Katzenpaares innerhalb von nur 10 Jahren. Das bedeutet immerhin auch eine erhebliche finanzielle Belastung der Steuerzahler, die zahlreiche Tierheime mittragen.

Dazu kommt das erhebliche Leid der Tiere.

 

tl_files/_aft/bilder/tiere/Katzen/Barbarossa/Baba-2004-02.JPGUnter diesen Gesichtspunkten ist es grob fahrlässig, gedankenlos nachzuzüchten. Der Mensch möchte die Tiere um sich haben und schafft sie sich freiwillig an. Also steht er auch in der Pflicht, ihr Leiden zu verhindern – umso mehr, je leichter das zu machen ist.

 

Die Stadt Paderborn hatte hier Vorreiterfunktion. Im September 2008 wurde die Kastrationspflicht für Freigängerkatzen eingeführt. Ein guter Anfang, allerdings können neben Züchtern auch Landwirte eine Ausnahmegenehmigung erwirken.

 

Wir fordern eine bundesweite Kastrationspflicht ohne Ausnahmen für alle Freigängerkatzen.

Verwilderte Katzen hungern, frieren, werden angeschossen, leiden unter Infektionen, Parasiten und Verfolgung. Unkastrierte Hauskatzen tragen wesentlich zur weiteren unkontrollierten Vermehrung von Tieren, für die niemand sorgt, bei.

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