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Mieser erzählt

Dieser Text entstand für den Tiergottesdienst am 28. Juni 2009 in Bielefeld.

Mieser und der Hund Max, beide krebskrank, waren bei dem Gottesdienst

als Stellvertreter der Schützlinge von Achtung für Tiere anwesend.

 

 

Hallo liebe Leute,

 

tl_files/_aft/bilder/tiere/Katzen/Mieser/Mieser_rotes_Shirt.jpgich heiße „Mieser“ - weil ich mal ’ne Freundin hatte, die hieß Miese.  Irgendwie sind die bei Achtung für Tiere nicht so richtig erfinderisch mit unseren Namen. Na ja, die haben ja mit uns und dem vielen heimlichen Tierleid auf der Welt auch genug zu tun. Da wollen wir wegen der Namen mal nicht meckern…

 

Die süße kleine Miese gibt es immer noch, aber die mag mich irgendwie nicht mehr. Vielleicht hab ich ihr doch eine Ohrfeige zuviel gehauen?tl_files/_aft/bilder/tiere/Katzen/Miese/Miese-2003-02.JPG Früher war ich nämlich ein richtiger Draufgänger und das mag nicht jede. Ich meine, sie hätte sich ja auch wehren können, dann hätten wir total viel Spaß zusammen gehabt!

 

Mein Leben war nicht leicht. Erst haben meine Menschen mich einfach draußen auf der Straße zurückgelassen und sind weggezogen. Und das mir, wo ich doch zu Menschen soooo liiiieb und schmusig bin. Mein Schlafplatz unter der Bettdecke ist einfach Pflicht!

 

Ich bin dann eine Weile draußen herumgelaufen, ab und zu hat mich jemand gefüttert. In einem Teppichladen hat mich dann jemand von Achtung für Tiere aufgelesen, allerdings hießen die damals noch nicht so. Dann folgten ganz gute Jahre. Wir sind ein paar Mal umgezogen und es kamen immer mehr Tiere ins Haus. Vor allem dadurch, dass meine Leute Tierärzte waren und viele Menschen alte oder kranke  Tiere zum Tierarzt bringen, damit der sie tötet.

 

tl_files/_aft/bilder/tiere/Hunde/Max/Max_im_Wasser.jpgDiese Menschen wollen uns los werden, wenn wir alt sind und sie mit uns nicht mehr das machen können, weshalb sie uns gekauft haben. Aber auch weil wir in die Wohnung machen, weil wir nicht gut riechen, weil wir nicht mehr so schön aussehen, weil sie umziehen, weil sie keine Zeit mehr haben, weil die Kinder aus dem Haus sind, weil sie keinen Spaß mehr an uns haben oder weil wir eine Krankheit haben, deren Behandlung teuer ist. Vielleicht beschädigen wir aber auch die Wohnung oder fangen an zu kratzen oder zu beißen, weil wir uns unverstanden fühlen oder Schmerzen haben.

 

tl_files/_aft/bilder/tiere/Katzen/Rocky/Rocky-2006-01.JPGNatürlich spricht man da nicht drüber. Es heißt dann, „er quälte sich, da hat der Tierarzt ihn erlöst“, dabei haben sie uns eigentlich umbringen lassen. Meinem Kumpel Rocky wäre es um ein Haar auch so ergangen. Sein Knochenbruch sollte wegen der Operationskosten nicht behandelt werden. Eine Tierklinik riet, Rocky „aus Tierschutz-gründen“ zu töten.

 

Niemand weiß, wie viele Tiere jeden Tag aus angeblichen „Tierschutzgründen“ getötet werden. Weder solche Tierhalter noch Tierärzte sprechen gerne darüber. Sie nennen es „Einschläfern“, das klingt harmloser. Aber diese Tiere werden getötet, obwohl sie leben wollen. Wenn jemand einen lebenswilligen Menschen mit einer Spritze tötet, heißt das Umbringen, nicht Einschläfern.

 

Aber bei uns fängt es ja schon damit an, dass man uns kaufen kann, wie eine gefühllose Sache. Für viele Menschen haben wir nur einen Wert, keine Würde.

 

tl_files/_aft/bilder/tiere/Katzen/Rocky/Rocky-2002.JPGSo, genug philosophiert. Rocky ist jetzt jedenfalls 21 Jahre alt und lebt immer noch bei Achtung für Tiere. Jahrelang hat er mit einer Tierschutzlehrerin Schülerinnen und Schüler besucht, um denen zu zeigen und zu erklären, wie Tiere wirklich sind. Auch der blinde und taube Sandokan, der noch dazu Aids und andere Krankheiten hat, verbringt seinen Lebensabend bei Achtung für Tiere. Tom und Goliath, Tiger und Lilly, Die Alte Katze und Pfötchen, Choco, Das Meerschweinchen, Samira, Härchen, Max und Luzi, Ayse, Robby und Barbarossa, und nicht zu vergessen Herbert, der kleine alte Esel  - alle haben irgendetwas an sich, was den Umgang mit ihnen schwierig gestaltet, meist irgendwelche Krankheiten.

Wir wohnen alle mitten in Gütersloh. Unsere Leute suchen dringend ein Haus mit viel Land irgendwo zwischen Gütersloh und Bielefeld. Es soll ein Haus für Tier und Mensch werden, wo sich Menschen auch im hohen Alter gemeinsam für Tiere engagieren, Kindertierschutzferien, Seminare für tiergerechten Umgang, Vorbeugung von Krankheiten, Sprache der Tiere usw. veranstalten können. tl_files/_aft/bilder/tiere/Katzen/Mieser/Mieser-2001.JPGDie Menschen von Achtung für Tiere wollen ihre Arbeit für uns auch für die Zukunft absichern. Sie sagen, wer für uns Tiere aktiv wird, der kommt mit der belastenden Realität besser zurecht - und wer sich mit anderen zusammentut, erreicht mehr.

 

Auf einem Tierschutzhof könnten aktive Tierfreunde sich gegenseitig unterstützen, sich helfen, wo es nötig ist, engen Kontakt zu Tieren haben, Sicherheit, Verständnis und Austausch finden. Ich glaube, es könnte für Menschen sehr schön sein, unter solchen Bedingungen bis ins hohe Alter an einer besseren Welt für uns Tiere zu bauen.

 

tl_files/_aft/bilder/tiere/Katzen/Mieser/Mieser_auf_Kletterbaum.jpgDoch nun wieder zu mir. Ich bin jetzt vierzehn Jahre alt und war schon oft krank. Ich hatte die Berufskrankheit der Kater: Harnsteine. Das tut furchtbar weh. Wenn Ihr Katzen habt, die nicht aufs Klo können, geht bitte sofort zum Tierarzt, das ist ein ganz schlimmer Notfall, wartet nicht erst stundenlang! Stellt Euch mal vor, Ihr müsstet das erleiden. Ich habe schon viele Operationen hinter mir. Meine Nieren waren auch schon krank, konnten aber erfolgreich behandelt werden.

 

tl_files/_aft/bilder/tiere/Katzen/Mieser/Mieser_auf_Tuerkis.jpgSeit einem Jahr habe ich nun Krebs. Auch deshalb bin ich bereits fünfmal operiert  worden. Nun sagen die hier, die nächste Operation würde mir nicht mehr helfen. Deshalb muss ich mich jetzt wohl bald von meinen ganzen Kumpels, den Leuten bei Achtung für Tiere und meinem schönen Garten verabschieden. Ich möchte kein Leben um jeden Preis, wenn man die Schmerzen und den Juckreiz  nicht mehr lindern kann.

 

Jeder von uns muss sterben, da könnt Ihr Menschen soviel mit Tieren herumexperimentieren wie Ihr wollt. Ich weiß, dass meine Menschen alles tun, was sie können, damit ich möglichst lange ein lebenswertes Leben habe. Und wenn es soweit ist, dass das Leben zur Quälerei wird, werden sie mich in den Katzenhimmel schicken. Bei Achtung für Tiere kann ich zu Hause sterben. Ich bitte Euch, wenn es bei Euren Tieren mal soweit ist, holt den Tierarzt ins Haus und schleppt uns nicht in eine fremde Umgebung zu fremden Menschen. Ihr wollt doch auch lieber zu Hause sterben als im Krankenhaus.

 

tl_files/_aft/bilder/tiere/Hunde/Harry +/Harry-2005-01.JPGAber noch lebe ich ja. Und ein paar Wochen Zeit bleiben mir wohl auch noch. Ich werde jeden Tag genießen, ist ja jetzt Sommer, das trifft sich gut. Und wenn es dann soweit ist, dann treffe ich alle meine alten Kumpels wieder - auf der anderen Seite der Regenbogenbrücke: Senta und Molly, Hermann und Murphy, Momo, Lotte und meinen besonderen Freund, den guten alten Harry, den Beißer. Er lebte lange Zeit unverstanden unter den Menschen, obwohl er in Wirklichkeit so ein Lieber war.

 

Natürlich sterbe ich nicht gerne, aber es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel wie meine vielen Verwandten in den Versuchslaboren von Menschen gequält zu werden. Zum Glück tun die Menschen von Achtung für Tiere auch dagegen etwas! Ich hab das ja nun alles auch gut auf den Weg gebracht und werde dann bald in den ewigen Jagdgründen auf der faulen Haut liegen und nur noch ab und zu ein kleines Kämpfchen starten. Seit ich krank bin, hab ich nämlich gemerkt, dass ein Leben ohne Schlägereien, in Gesellschaft mit vielen anderen Katzen auch sehr nett sein kann.

tl_files/_aft/bilder/tiere/Katzen/Mieser/Mieser_Blumen.jpgAlso Leute, macht´s gut! Schön dass ich Euch noch kennen lernen durfte, und bitte: Tut was für meine Kumpels. Sie leiden in Versuchslaboren, im Zirkus, für die Fleischproduktion, für die Pelzmode und häufig auch als Spielzeug für Kinder. Wir Tiere sind aber fühlende und denkende Lebewesen, keine Messinstrumente,  Ersatzteillager, Spielzeuge, Lebensmittel usw.. Denkt bitte mal in einer ruhigen Stunde darüber nach, ob nicht auch Ihr noch etwas mehr für Tiere tun könnt.

Die Leute von Achtung für Tiere brauchen nämlich Hilfe, um uns helfen zu können. Viele Menschen sind für Tierleid verantwortlich, deshalb braucht es auch viele Menschen, um Tierleid abzuschaffen.

 

Denn wir Tiere können uns nicht wehren, nur Menschen können uns helfen!

 

Alles Gute für Euch und Eure Tiere!

 

Euer Mieser

 

 

Mieser machte sich  am 10. August 2009 auf in die ewigen Jagdgründe.

Max folgte ihm einen Tag später.

 

 

„Die Menschheit lässt sich grob in zwei Gruppen einteilen:

in Katzenliebhaber und in vom Leben Benachteiligte.“

Francesco Petrarca, italienischer Dichter

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