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Schließung aller Schlachthäuser - Demo für Tierrechte, 25.7., Bielefeld

Elfie bei der Demo Schließung aller SchlachthäuserElfriedes erste Demo - für die Schließung aller Schlachthäuser, am 25. Juli 2020 in Bielfeld!

Etwa 300 Menschen zogen unüberseh- und unüberhörbar für Tierrechte durch die belebte Innenstadt. Wir waren mit Elfie und einem Redebeitrag (hier komplett zum Nachlesen ↴) beim Zwischenstopp vor dem Bielefelder Rathaus dabei.

Danke allen Veranstaltern für die toll organisierte Demo - und allen Aktivist*innen!

Redebeitrag zur Demo „Schließung aller Schlachthäuser“

Bielefeld, 25. Juli 2020

Tiere sind nicht wehrlos. Sie werden wehrlos gemacht...

... Tiere wollen nicht für unsere Zwecke sterben, und sie wehren sich, oft bis zum letzten Atemzug. Sonst brauchte es keine Stacheldrahtzäune, keine Nasenringe, keine Käfige, keine Elektroschocker, keine stahlvergitterten Transporter… Ein Foltergestell, mit dem Tiere in maximale Wehrlosigkeit gezwungen werden, ist der sogenannte Kastenstand. Trotz Corona hat er zuletzt ein klein wenig Aufmerksamkeit bekommen, weil der Bundesrat beschloss: in diesem Gestell sollen Schweine auch weiterhin noch nicht einmal im Liegen ihre Beine ungehindert ausstrecken.

Dabei ist „Kastenstand“ eine infame Beschönigung. Es ist ein Sauenfolterstand. Sauen werden darin viele Monate ihres Lebens zwischen Eisenstangen gezwängt, können sich nicht umdrehen, nicht gehen – nur stehen, liegen, essen, ausscheiden, gebären, stehen, liegen, stehen, liegen… So bewegungsunfähig gemacht, können die Sauen sich nicht dagegen wehren, dass sie immer wieder zwangs“besamt“ werden und immer wieder Ferkel gebären müssen – in diesem Eisengestell!

Was fühlt ein Schwein, wenn es zum ersten Mal in diese Folterbank gesperrt wird? Was denkt es, den ganzen ersten Tag, den nächsten, wochenlang, monatelang? Komplett auf einer Stelle eingekerkert, ohne sich auch nur umdrehen oder wälzen zu können? Welch eine Qual! Die Sau kann nichts tun, um die Zeit schneller vergehen zu lassen. Was sind das für Menschen, die sich dieses Folterinstrument überhaupt jemals ausgedacht haben?

Rede bei der Demo Schließung aller SchlachthäuserDer Sauenfolterstand ist nur ein Detail, an dem man sieht, wie schwer das Leid der Tiere eigentlich zu ermessen ist. Wenn man sich vorstellt, wie es wohl ist, für eine Sau, hier eingepfercht zu sein, ist schon dieser kleine Ausschnitt aus dem Alltag der Tiernutzung unerträglich – bereits in unserer Vorstellung. Die Tiere müssen das am eigenen Körper erleiden.

Wir können versuchen, die Gedanken daran zu verdrängen. Aber verdrängen ändert für die Tiere nichts. Sie bleiben eingesperrt, sie haben keinen Ausweg, sie können nicht verdrängen. Wenn wir nichts unternehmen, bleibt das so.

Diejenigen, die vom Leid der Tiere profitieren und jene, die noch die größte Grausamkeit legalisieren, wollen unbedingt, dass wir verdrängen. Sie nutzen dafür die Macht der Sprache. Sie reden von „mehr Platz“ – wo überhaupt gar kein Platz ist – nur unerträgliche Enge, Dreck und kein Entkommen. Sie wagen es, von „Tierwohl“ zu reden – wo es niemals Wohlergehen geben kann, wo es keinem fühlenden Wesen gut gehen kann. Wo nur Frustration ist, Schmerz, und kein Entkommen.

Wer den Sauenfolterstand oder irgendein anderes Zwangsinstrument sieht, und um Zentimeter und Zeiträume feilscht, der tritt die elementaren Grundbedürfnisse von Tieren mit Füßen. Gelingen kann sowas auch deshalb immer wieder, weil der Tierschutz dem Landwirtschaftsministerium unterstellt ist. Wie zynisch ist das?! So kann die Landwirtschaftsministerin immer weiter milde lächelnd ihre schützende Hand über Tierquälerei halten. Wer solche Beschützer hat, braucht keine Feinde.

Schweine im Kastenstand sehen wir nicht. Aber auf Weiden sehen wir Tiere – meistens eher Kühe, selten Hühner – die zufrieden aussehen. Kühe, die am Zaun interessiert auf vorbeigehende Menschen zu kommen, die dem Traktor des Bauern entgegenlaufen, der ihnen Wasser bringt… Sie erscheinen uns zufrieden, weil wir andere Details ihres Lebens nicht kennen – nicht sehen, wie ihnen die Hörner ausgebrannt und die Säuglinge entrissen werden… Dennoch scheint es ihnen vergleichsweise besser zu gehen als vielen anderen. Doch solche Tiere, die uns im Vorbeigehen an ihrer Weide glücklich oder zufrieden vorkommen, erleiden früher oder später eine ganz spezielle Bösartigkeit. Dieselben Menschen, die ihnen die Dinge gaben, die für sie überlebenswichtig sind, die sie vielleicht streichelten, sie nett ansprachen – dieselben Menschen lassen sie schließlich ermorden. Diese Tiere vertrauen ihren Menschen. Sie folgen ihren Menschen – voller Vertrauen, bis auf den Transporter, der sie zum Schlachter bringt. Was für ein unglaublicher Vertrauensbruch! Was für ein Betrug, was für eine Grausamkeit! Wie kann man nur?! Wie grauenerregend ist es, diese Tiere nichtsahnend auf der Weide zu sehen und zu wissen, was sie erwartet! Denn WIR wissen das. Wir wissen, dass sie nicht zu Tode gestreichelt werden.

Die Realität der Tiere ist so schrecklich, dass der Impuls, sich abzuwenden, sogar verständlich ist. Das Leid der Tiere droht, uns zu überfordern. Das ist tragisch, denn kaum ein Mensch will, dass Tiere leiden. Wenn mein Handeln Folgen hat, die für mich so unerträglich sind, dass ich nicht daran denken mag, dann ändere ich doch mein Handeln! Wir können Tieren helfen, indem wir uns selbst ändern – und indem wir anderen helfen, sich zu ändern – hinzusehen und hinzuhören, nicht länger zu verdrängen. Dem kurzen Moment, in dem Menschen die Körperteile von Tieren im Mund haben wollen, steht entgegen, Tieren alles zu nehmen und sie lebenslang größten Qualen auszuliefern. Das wäre sofort Geschichte, wenn jede und jeder diesem Unrecht die Unterstützung entziehen würde.

Die Situation der Tiere droht Menschen auch zu überfordern, weil da immer neue Probleme lauern. Wir wissen, da ist nicht nur das Leid für Fleisch, Eier oder Milch. Tiere werden auf vielfältige Weisen benutzt. Aber auch davon braucht sich niemand abschrecken zu lassen. Wir müssen uns nicht bis zum Sanktnimmerleinstag von denen beschäftigen lassen, die ständig neue Ideen haben, wie sie Tiere für ihre Zwecke vernutzen können. Wir können all das beenden, wenn wir dafür sorgen, dass Tiere Rechte bekommen und unabhängige Institutionen diese Rechte verteidigen. Tiere wollen leben – wie wir. Tiere brauchen ein Recht auf Leben. Tiere wollen nicht leiden – ebenso wenig wie wir. Sie brauchen ein Recht auf körperliche Unversehrtheit, auf Schutz vor Folter.

In diesem Moment stehen Tiere auf der Wiese und ahnen nicht, dass ihre Ermordung beschlossen ist. Dass die Menschen, denen sie vertrauen, sie ausliefern werden. Es muss nicht so sein. Es ist eine unerträgliche Realität, aber wir müssen sie nicht passiv ertragen. Tiere werden wehrlos gemacht – aber wir sind es nicht. Es kommt auf jeden von uns an. Wir können die unerträgliche Situation der Tiere ändern. Jetzt sofort!

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