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Verwirrspiel um grundloses Platzverbot

Während in der Presse dazu aufgefordert wird, sich die Lebensumstände der Ponys auf der Kirmes anzusehen, wird bereits der Zugang zum Kirmesgelände Mitgliedern von Achtung für Tiere immer wieder verwehrt. Anlässlich unserer jüngsten Recherchen erlebten wir ein anhaltendes Verwirrspiel um ein zweifelhaftes Platzverbot.

Platzverbot – ja, nein, vielleicht ein bisschen?

Platzverbot

Auf der Michaeliskirmes erhielten einige Mitglieder von Achtung für Tiere e. V. zunächst am 26.09.16 durch die Security Platzverbot, dessen Existenz der eigentlich verantwortliche Schaustellerchef Herr Schneider am 30.09.16 jedoch wieder bestritt. Vorangegangen war, dass Ponykarussellmitarbeiter uns Vereinsmitglieder zwei Tage lang unzählige Male demonstrativ fotografiert hatten, und wir am dritten Tag unsererseits zu fotografieren ansetzten. Sofort standen drei Securitymänner vor uns und verlangten Herausgabe des Fotomaterials. In Anwesenheit der von uns hinzu gerufenen Polizisten sprach ein Securitymitarbeiter allen anwesenden Mitgliedern, ohne einen Grund zu nennen, ein Platzverbot aus und wir verließen das Kirmesgelände.    

Man kann über alles reden

Mit Herrn Schneider führten wir am 30.09.16 ein ausführliches Gespräch, in dessen Verlauf dieser u.a. sagte, es gäbe kein Platzverbot. Herr Schneider verstand die Kritik am Ponykarussell allerdings nicht, erklärte aber auch, das „Problem“ würde sich von selbst lösen – der Reitbahnbetreiber sei schon alt und seine Kinder würden das Geschäft nicht weiter betreiben wollen („Der liebe Gott wird schon alles lösen.“).

Im Laufe dieses Gesprächs änderten sich zahlreiche Male die Vorgaben an uns: Mal sollten wir auf den Platz dürfen, mal nur zu bestimmten Zeiten oder nur zu zweit oder zu dritt, mal durften wir die Ponys fotografieren, dann wieder nicht. Gott musste immer wieder als Autorität herhalten. Zwar war es nicht möglich, eine konkrete und klare Aussage zu bekommen, aber der Schaustellerchef war aufgeschlossen und höflich. Herr Schneider machte dabei den Eindruck, als wolle er intensiv, dass sich alle vertragen, allerdings unter der klaren Prämisse, dass die Ponykarussellkritiker endlich Ruhe geben.

Wackliges Pferdewissen

Schneider argumentierte, dass Pferde nach dem Krieg auch hart hätten arbeiten, viel aushalten und 15 Kilometer schwer hätten ziehen müssen, was ihnen nicht geschadet habe. Dass Pferde nur im Liegen schlafen können, war Herrn Schneider neu, obwohl er selbst Pferde besessen hatte und sich für gut informiert hielt. Wie die Pferde auf der Kirmes leben, die Nächte verbringen oder wie viele Pferde im Einsatz waren, wusste Herr Schneider nicht. Er glaubte, sie hätten hier eine Weide. Möglicherweise leitete er dies von den Fotos auf dem Spendenkasten vor dem Ponykarussell ab. Wir konnten die Tiere im Karussell jenen auf den Fotos allerdings nicht zuordnen. Pferde weiden zu lassen nimmt Zeit, Arbeit, Geld und Platz in Anspruch. Sie einzusperren spart hingegen Zeit, Arbeit, Geld und Platz. Amtsveterinäre überprüfen, ob Weide da ist. Ob die Tiere tatsächlich weiden dürfen, ggf. wie lange und unter welchen Umständen, wird nicht überwacht.

Verbale Attacken

Herr Schneider geleitete uns über das Kirmesgelände und wollte uns den Stallbereich zeigen, stieß dabei beim Reitbahnbetreiber Kaiser aber auf vehemente Abwehr. Seinem Argument gegenüber, Kaiser habe doch nichts zu verbergen, war dieser nicht zugänglich. Zwischendurch wurden Herr Schneider und wir von Securityleuten und Reitbahnmitarbeitern mit Vorwürfen bzw. Beschimpfungen überschüttet. Nach viel Hin und Her durften zwei Personen kurz in den hinteren Bereich. Zurück vor der Reitbahn prasselten wieder wüste Beschimpfungen auf uns ein. Ein Mann sagte sinngemäß, wir seien doch alle arbeitsloses Pack, das sonst nichts mit seiner Zeit anzufangen wüsste.

Schaustellerchef kippt um, bumm!

Die Security-Leute wollten uns schließlich erneut des Platzes verweisen, forderten wieder eine Entscheidung von Herrn Schneider. Dieser wurde immer unsicherer, meinte nun zu uns, wir dürften auf dem Gelände bleiben, aber nun doch nicht fotografieren und auch nicht mehr vor das Ponykarussell. Herr Schneider äußerte schließlich: „Das wird mir zu viel“ und er müsse jetzt gehen. Herr Kaiser solle entscheiden. Die Polizei wies darauf hin, dass Schaustellerchef Schneider das alleinige Recht habe, einen Platzverweis/Hausverbot auszusprechen, und verlangte von ihm eine Entscheidung. Da war Herr Schneider plötzlich verschwunden. Nach einigen Minuten kam er zusammen mit Herrn Kaiser hinter der Rückwand des Ponykarussells hervor und entschied „Platzverbot.“ Polizist: „Für wen, für alle?“ Schneider: „Ja für alle, die jetzt hier sind.“ Wir verließen das Gelände.

Juristische Auseinandersetzungen sind nötig, um Fortschritte für Tiere zu erreichen

Viele, die Tiere auf leidvolle Art und Weise für ihre Zwecke missbrauchen, verstehen sich vortrefflich darauf, Tierfreunde auf rechtlichen Nebenschauplätzen zu beschäftigen. Die Auseinandersetzung um die Frage, ob wir die öffentlich zugängliche Kirmes betreten dürfen, ist kräftezehrend und zeitraubend. Gehen wir nicht mehr dorthin, so geben wir die Tiere verloren, denn Veterinäramt und Ordnungsamt haben an dem Betreib dort nichts auszusetzen. Wir bemühen uns derzeit um die Klärung der Rechtslage bzgl. des Platzverbots.

Auch für die Aufarbeitung der auf fehlerhaften Informationen beruhenden Beschlussvorlage der Stadtverwaltung Gütersloh benötigen wir juristische Fachkenntnis. Rechtliche Auseinandersetzungen kosten Geld. Bitte unterstützen Sie uns bei diesen schwierigen Aufgaben mit Ihrer Spende, damit wir unseren langen Atem auch im Einsatz gegen Ponyleid durchhalten und am Ende für die Tiere einen Erfolg erringen können.

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