Presse > Pressemitteilungen > „Mehr als eine demokratische Zumutung“ - 14. September 2020

„Mehr als eine demokratische Zumutung“

Achtung für Tiere kritisiert Parteinahme für Ponykarussell

Pressemitteilung, 14. September 2020

Achtung für Tiere e.V. kritisiert den Umgang des Haupt- und Finanzausschusses der Stadt Rheda-Wiedenbrück mit dem Bürgerantrag, keine öffentlichen Flächen für „Ponykarussells“ zu vermieten. Die Ausschussmitglieder sind mehrheitlich für die Vermietung. Bürgermeister Mettenborg hatte erklärt, er habe kein Störgefühl und lasse selbst seine Kinder auf den Pferden reiten. „Dass ein Bürgermeister für die artwidrige und massiv in der Kritik stehende Nutzung von Pferden als Karussellfiguren persönlich wirbt, ist erschreckend. Dass er der Nutznießerin dieses Tiermissbrauchs nun noch ein Forum im Finanzausschuss geben will, ist mehr als eine demokratische Zumutung und wohl kaum als „Kompromissvorschlag“ ernst zu nehmen“, meint Frauke Albersmeier, stellvertretende Vorsitzende von Achtung für Tiere.

„Gebetsmühlenartig wird wiederholt, Ponys, die zu stundenlangem Kreislaufen gezwungen werden, ginge es gut. Tiere dürfen unvorstellbar gequält werden“, sagt Albersmeier. „Diejenigen, die in der sich rasant verändernden Welt Tierquälerei zementieren wollen, fordern irrwitzige Beweise dafür, dass Tiere z.B. unter Eingesperrtsein, erzwungenen Bewegungen, Isolation, Schmerz u.v.m. leiden.“

Es sei perfide, in der Angelegenheit Kinder, die vom Leid der Pferde nichts ahnten, vorzuschieben, so als geschehe diese Tierquälerei zu ihrem Vorteil. Die Bedürfnisse von Pferden seien hinlänglich bekannt, auch, dass Kreislaufen diesen krass entgegenstehe. „Zweifellos ist der Missbrauch im Ponykarussell artwidrig und zweifellos leiden die Tiere dort unter vielen tierwidrigen Einwirkungen. Aber sie können sich nicht mitteilen. Diese Tatsache wird von Ponykarussellbetreibern und Politikern, die sie protegieren, schamlos ausgenutzt,“ kommentiert Astrid Reinke, Tierärztin und Vorsitzende von Achtung für Tiere. Ponys und Kinder würden als Mittel für Profit benutzt.

Der im Grundgesetz verankerte Tierschutz verlange eine Beweislastumkehr. „Wenn Tiere erst so geschädigt sind, dass sie für Menschen äußerlich sichtbar verletzt sind, dann können sie oft nicht mehr gerettet werden,“ sagt Reinke. Im Ponykarussell kämen zur zwanghaften Bewegung etliche tierfeindliche Faktoren hinzu. Das Leid der Tiere dauere lange. „Pferde gelten rechtlich als Nutz- und Schlachttiere. Nach Jahrzehnten der Tierquälerei im Ponykarussell droht solcherart missbrauchten Tieren schlimmstenfalls auch noch ein Transport und die Schlachtung in Ländern, in denen es vielleicht nicht einmal ein mangelhaftes Tierschutzgesetz gibt,“ erläutert Reinke.

„Wie erschreckend rückständig und manipulativ die Politik in Rheda-Wiedenbrück agiert, war uns nicht bewusst. Wir müssen den Fokus unserer Informationsarbeit auf Rheda-Wiedenbrück ausweiten“, kündigt Albersmeier an.

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