A-f-T > Presse > Pressemitteilungen > Schausteller sperren Tierärztin aus - 30. September 2016

Schausteller sperren Tierärztin aus

Pressemitteilung, 30.September 2016

Mitglieder des Vereins  „Achtung für Tiere“,  darunter die Tierärztin und Verhaltensfachfrau Astrid Reinke, erhielten ein Platzverbot für die gesamte Zeit der Michaeliskirmes. Tierquälerei und der Gefährdung von Menschen seien nun Tür und Tor noch weiter geöffnet, fürchtet Reinke.

„Die Zustände bei der Dressur, während angeblicher Pausen, nachts, im Anhänger usw. bleiben ohnehin geheim. Doch auch von außen sind Missstände festzustellen.“ So bezweifelt die Tierärztin, dass die Ponys erholsame Pausen bekommen. Pferde würden zwar hin und her geführt, wie bei einem Verwirrspiel. Bei mehreren Schimmeln, Schecken und Braunen könne man ohne Chipkontrolle aber nicht ausschließen, dass ein Tier zwar hinaus aber kurz danach wieder zurück geführt würde. „Ein Schimmelwallach stellte sich, kurz nachdem er eingewechselt wurde, mitten im Betrieb der Manege, hin und urinierte längere Zeit. Wenn Pferde die Möglichkeit haben, dann setzen sie in ruhiger sicherer Umgebung Harn ab, nicht während sie geritten werden.“

Aus Tierschutzsicht sei die Art der Zurschaustellung höchst bedenklich. Ein Mann habe die Tiere die ganze Zeit mit der Peitsche getrieben. Ponys von hinten versuchten an den vorderen vorbei zu drängen. Gegen Abend sei es noch schlimmer geworden: „In der winzigen Kreisbahn von 8 Metern Durchmesser wurden 8 Pferde stundenlang hektisch hintereinander her getrieben. Mehrere Tiere liefen mit offener Maulspalte. Ein kleines weißes Pony sperrte sein Maul zunehmend auf und blähte die Nüstern. Es lief schon lange, sehr brav, wurde besonders für sehr kleine Kinder benutzt, die noch keine Sitzposition halten konnten.“  Reinke geht davon aus, dass viele tierschutzrelevante Punkte für die Kontrollbehörde nicht festzustellen sind. Ob ein Tier z.. B. chronisch krank sei und bei starker Belastung unter Atemnot leide, könne ein Amtstierarzt kaum feststellen, wenn er es nicht genau dann untersucht, also etwa sonntags von 17.00-20.00 Uhr.

Das Wechseln der Kinder sei mit zunehmender Besuchsdichte immer schneller erfolgt. Viele hätten kein Gefühl für Pferd und Gleichgewicht gehabt. Eltern hätten sie in der Manege beaufsichtigt und zugleich fotografiert, hätten überfordert gewirkt. „Ein Kind ist vom Pferd gefallen und hat geweint“, berichtet Yvonne Herzig-Rother, Vorstandsmitglied des Vereins  „Achtung für Tiere“. „Da hätte sonst was passieren können.“ Wenig später habe ein Pferd  ausgeschlagen und das nachfolgende getroffen, welches an ihm vorbeidrängte. Eine Untersuchung des getroffenen Tieres habe sie nicht beobachtet. „Wenn an Stelle des Pferdes ein Kind am Kopf getroffen worden wäre, dann könnte das nun tot sein. So schlimm hatte ich mir die Zustände im Ponykarussell nicht vorgestellt“, ist Herzig-Rother entsetzt.

„Pferde sind Fluchttiere,“ erinnert Reinke. Dauernd würden Tiere von Leuten außerhalb der Manege angefasst. Manche Kinder träten ihnen mit ihren Absätzen in den Bauch, wie sie es im Western gesehen haben mögen. „Nicht ein Mal haben wir Personal einschreiten sehen“, kommentiert Reinke. „Von oben, vorne, hinten, links und rechts bedrängt zu acht im Achtmeterrondell, Kopf an Hinterteil, angetrieben von der Peitsche unter ungelenken Reitern und scheinbar ohne fachkundiges Personal. Das ist nicht das erste Pferd, das ausschlägt und es wird nicht das letzte sein. Schlimm, wenn irgendwann jemand stirbt - wegen antiquierter Tierquälerei!“

Zurück