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Gütersloh: Tierschutz in den Ferien

In Gütersloh gibt es seit fünf Jahren zweimal jährlich Tierschutz-Ferienspiele. Kinder und Jugendliche aus anderen Regionen Deutschlands vermissen ähnliche Angebote häufig in ihrem Heimatort. Gerne würden wir, die Vereine Achtung für Tiere und Ärzte gegen Tierversuche, unsere Erfahrungen der letzten Jahre mit kommunalen Einrichtungen oder anderen Tierschutzorganisationen teilen.

Alle Tiere sind mit dabei

Im Interesse der Tiere und der Intensität der Begegnungen zwischen Mensch und Tier haben wir seit letztem Jahr die Ferienspiele aus einer öffentlichen Lokalität in unsere Räume verlegt. Hier in Haus und Garten erleben die Kinder alle Tiere mit ihren individuellen Handicaps, auch jene, denen wir den Stress eines Ortswechsels niemals zumuten würden.

Diesmal konnte der alte Goliath nicht mehr mit spazieren gehen. Wie ein sehr alter und kranker Mensch kann aber auch ein solcher Hund noch interessiert Anteil an allem nehmen, was um ihn  herum vorgeht. Goliath nahm also liegend oder herumschlurfend an unseren Aktivitäten im Garten teil, genoss die Streicheleinheiten der Gäste ohne Ende und legte sich zwischendurch einfach an seine gewohnten Plätze schlafen. Ayse war verletzt und durfte ebenfalls nicht herumspringen. Aber auch sie war die ganze Zeit mit dabei und krabbelte zwischen zwei Teilnehmerinnen aufs Sofa, um sich dort eine Extraportion Streicheleinheiten abzuholen.

Wir beobachteten eine Intensität der Begegnung zwischen Tier und Mensch, die in öffentlichen Räumen  nicht möglich wäre. Da die Tiere in ihrer vertrauten Umgebung sind, geben sie sich wie sie immer sind. Und sie haben die Freiheit sich jederzeit an die ihnen vertrauten Orte zurückziehen zu können.

Zwar bedeutet es jedes Mal einen mehrtägigen Arbeitsaufwand Haus und Garten in der Melanchthonstraße in einen ferienspielgängigen Zustand zu versetzen. Wir haben im Grunde weder ausreichend Platz, noch eine geeignete Einrichtung. Doch bisher gelang es uns jedes Mal doch noch, alles so herzurichten und zu organisieren, dass unsere jungen Gäste nichts Wesentliches vermissen.

Das Wissen wächst

Mit Freunde beobachten wir, dass das Eingangswissen bei den Ferienspielen im Laufe der Jahre kontinuierlich gewachsen ist. Unser Tierschutzangebot knüpft an eigene Erfahrungen und Überlegungen der Teilnehmenden an. Es geht um ihre Wahrnehmung von Tierversuchen, Tieren im Zirkus, aber auch Überlegungen zum Umgang von Menschen mit Tieren in anderen Situationen.

So kamen wir nebenbei auf einen Ferienreitbetrieb zu sprechen. Schulpferde müssen immer wieder neue Reitanfänger tragen, die ihnen oft unwillentlich in den schmerzenden Rücken fallen und sie mit den Zügeln im Maul reißen. Das allein kann erhebliche Leiden verursachen, die sich kaum ein Reitanfänger bewusst macht. Der Hofbetreiber hatte den Kindern nun auch noch erzählt, die Pferde brauchten nicht auf die Weide, weil sie ja täglich viele Stunden geritten würden. Erst als wir darüber sprachen, wie sich ein Pferd wohl fühlt, wenn es 24 Stunden am Tag abwechselnd eingesperrt ist und sich gezwungenermaßen stundenlang oft unter wenig talentierten Reitern bewegen muss, konnte die Behauptung, die schwer arbeitenden Pferde brauchten keinen Weidegang, kritisch hinterfragt werden...

Hinterfragen – nicht wegsehen und mitlaufen

Kinder können viele Zusammenhänge, die ihnen von Erwachsenen als „richtig“ präsentiert werden, noch nicht selbstständig hinterfragen. Wir halten es für unredlich, ihnen Tiernutzung nur von der für Menschen angenehmen Seite zu zeigen. Deshalb möchten wir einen Beitrag dazu leisten, die Bedürfnisse und Leiden der Tiere ins Bewusstsein zu rücken: zu Gunsten einer mündigen Entscheidung für oder gegen einen bestimmten Umgang mit Tieren. Wir denken, wer heutzutage in einer Demokratie aufwächst, sollte sich nicht einfach unbewusst an traditionelle und leidvolle Formen der Tiernutzung gewöhnen, sondern sich auf einer breiten Wissensbasis bewusst und selbstverantwortlich dafür oder dagegen entscheiden können.

Unter anderem ist zu fragen „Was und wie sind Tiere?“, „Was haben sie mit uns Menschen gemeinsam und worin unterscheiden wir uns voneinander?“, „Was genießen sie und worunter leiden sie?“, „Wie gehen Menschen mit Tieren um?“, „Ist dieser Umgang mit Tieren in Anbetracht von Überlegungen zu Gleichheit, Gerechtigkeit, Friedfertigkeit, Umgang mit Schwächeren, Empathie, Zivilcourage, Ganzheitlich- und Nachhaltigkeit vernünftig, logisch und moralisch gut?

Kritikfähigkeit ist hochrangiges Bildungsziel in demokratisch verfassten Gesellschaften. Wir denken, dass junge Menschen einen Anspruch darauf haben, den Umgang mit Tieren auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse und moderner Moralvorstellungen hinterfragen zu können.

Tierliebe Kinder brauchen geschützte Räume

Kinder sollten geschützte Räume vorfinden, wo sie darüber nachdenken können, ob sie wollen, dass Tiere in vielen Situationen unter Menschen leiden. Und Kinder, die sich gegen Tierleid engagieren möchten, brauchen geeignete Möglichkeiten dazu. Zwar können sie sich in vielen verschiedenen Bereichen für Menschen in Not engagieren. Wer aber planvoll etwas gegen legales Tierleid tun möchte, findet im jüngeren Alter wenige Möglichkeiten für eigene Aktivitäten.
Doch der Tierschutz besitzt seit 2002 Grundrechtsrang und immer mehr und insbesondere jungen Menschen ist ein gerechter und gewaltloser Umgang mit Tieren ein wichtiges Anliegen.

Natürlich können zwei Tage Ferienspiele Fragen nicht erschöpfend aufarbeiten und die Auseinandersetzung in der Schule nicht ersetzen. Wir können allerdings kritisches Nachdenken fördern, Kinder in ihrem Mitgefühl ernst nehmen, ihnen helfen, das Tierleid zu verarbeiten und gewaltlos und konstruktiv dagegen aktiv zu werden. Selbst wenn damit Konflikte verbunden sind, denn Konflikte gehören zum Leben dazu. Es gilt zu vermitteln, dass jede Einzelperson wichtig ist, die Welt verändern und Dinge ins Rollen bringen kann. Ein Beispiel dafür ist eine schulische Tierschutz-AG, die auf Initiative zweier Ferienspielteilnehmerinnen entstand.

Wer einmal bei den Ferienspielen mitgeholfen hat, sagt, dass sich sein Arbeitseinsatz und die dafür verbrauchten Urlaubstage in jeder Hinsicht gelohnt haben. Wir lernen alle ständig hinzu und haben viel Spaß beim Zusammensein mit den Kindern und Tieren.

Gerne würden wir unser Projekt auf eine ganze Woche ausdehnen. Doch derzeit ist nicht einmal gesichert, dass wir es überhaupt im nächsten Jahr erhalten können. Wir bitten deshalb hier auch einmal um Unterstützung für unsere sehr aufwendige Jugendarbeit.

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