A-f-T > Aktivitäten > Tierschutz-Aktionen > Kirchentag Mensch und Tier

Kirchentag Mensch und Tier

tl_files/_aft/bilder/themen/Tierschutzaktionen/Kirchentag_Mensch-und-Tier_2010/Kirchentag_2010_6.JPG

Auf den ersten Kirchentag Mensch und Tier hatten wir uns gefreut. Wir hatten Pressemeldungen verschickt und umfangreich an Infoständen, bei Veranstaltungen und auf unserer Homepage dafür geworben. Üblicherweise berichten wir nach Aktionen über deren Verlauf. Über unsere Teilnahme am Kirchentag im Nachhinein den Mantel des Schweigens zu breiten könnte deshalb Anlass zu Spekulationen geben, wir möchten darum wenigstens von einigen unserer Erlebnisse berichten.
 
Die Tiere in eine bundesweite Veranstaltung, die sich mit einer Reflexion von Glaubensinhalten befasst, einzubeziehen, schien uns überfällig. Dass prominente Fürsprecher für Tiere gewonnen werden konnten, ist ein Zeichen der Zeit. Neben unserer Teilnahme am Markt der Möglichkeiten steuerte unser Verein gemeinsam mit der Stadtkirchenarbeit zwei aufwändige Programmpunkte, einen Gottesdienst für Mensch und Tier und einen umfangreichen Jugendworkshop, bei.
Pfarrer Piepenbrink-Rademacher und Frau Reinke waren in der Woche vorher noch einmal extra nach Dortmund gefahren, um vor Ort alles optimal planen und vorbereiten zu können. Die Veranstaltung selbst verlief für uns dann enttäuschend.
 
tl_files/_aft/bilder/themen/Tierschutzaktionen/Kirchentag_Mensch-und-Tier_2010/Kirchentag_2010_3.jpgBeispiele
Der Informationsaustausch im Vorfeld erfolgte unzuverlässig. Wir vertrauten auf Zusagen, die nicht eingehalten werden konnten, was uns aber nicht mitgeteilt wurde, so dass wir nicht reagieren konnten. Wir waren durch lange, unbeschilderte Wege von zentralen Veranstaltungsorten getrennt. Der Gottesdienst, den wir gemeinsam mit Pfarrer Piepenbrink-Rademacher ausrichteten und für den er noch zwei professionelle Musiker aus Bielefeld gewinnen konnte, stand in unmittelbarer Konkurrenz zu Veranstaltungen von Eugen Drewermann, Helmut Kaplan, Prinzessin Maja von Hohenzollern, der von Claudia Ludwig geleiteten Podiumsdiskussion, dem Film "Meat the Truth" und vier weiteren Vorträgen. Eine plötzliche Zeitverschiebung wurde im Programm viel zu spät korrigiert. Der fest versprochene Techniker war nicht vorhanden. Im Tipi regnete es durch, seine Eingänge konnten nicht verschlossen werden. Sturm und Regen tobten durch das Zelt und unsere Dekoration - ein großes Fiasko. Bei der Auswahl der Lokalität hatten wir uns auf die Auskünfte der Organisatoren verlassen.
 
tl_files/_aft/bilder/themen/Tierschutzaktionen/Kirchentag_Mensch-und-Tier_2010/Kirchentag_2010_2.jpgEntgegen der Ankündigung gab es vor Ort keine Verpflegungsstände. Wir mussten in der fremden Stadt zwischendurch Ess- und Trinkbares für 16 Personen heranschaffen. Eltern hatten uns schließlich auch ihre Kinder anvertraut und immerhin waren wir bereits um 7.00 Uhr zuhause aufgebrochen und erst um 20.00 Uhr wieder zurück.
 
In erster Linie schien uns der Kirchentag zu gigantisch angelegt  - statt ihn als vollkommen neues Format vorsichtig, überschaubar und kompakt anzugehen. Er war insgesamt schlecht besucht (einige hundert statt angekündigter tausender Besucher), wofür die Organisatoren kaum verantwortlich zu machen sind. Allerdings ist bei einer solchen Erstveranstaltung ein geringer Besucherstrom mit einzukalkulieren, auch wenn man sich natürlich etwas anderes wünscht. Unter diesen Bedingungen war es ungünstig, die Lokalitäten weitläufig zu verteilen, da sich dadurch die wenigen Besucher noch mehr zerstreuten.
Die geringe Besucherzahl muss sich aber vor allem beim Vorverkauf angekündigt haben und hätte uns aktiv Teilnehmenden mitgeteilt werden müssen. Dann hätten wir unsere Vorbereitungen und Programmpunkte daran anpassen konnten. Doch es wurde im Gegenteil der Anschein erweckt, die Eintrittskarten seien knapp.
Wir waren mit 16 Aktiven aus Bielefeld, Gütersloh und Porta Westfalica gekommen. Alles hat uns viel Geld gekostet, was hauptsächlich privat getragen wurde, aber auch Kosten für den Verein und die Stadtkirchenarbeit ließen sich nicht vermeiden.
 
Dass bei einer Pilotveranstaltung einiges knirscht, weiß jeder und das ist auch nicht das Problem. Es scheint uns aber wenig kollegial, wenn die Organisatoren den Kirchentag öffentlich einseitig loben, während Anbieter aufwändiger Programmpunkte mit ihrer Situation allein gelassen wurden. Auch hätten wir uns einen konstruktiveren Austausch mit den Organisatoren gewünscht, nachdem wir Kritik mitgeteilt hatten.
 
tl_files/_aft/bilder/themen/Tierschutzaktionen/Kirchentag_Mensch-und-Tier_2010/Kirchentag_2010_5.jpgTransparenz
Abschließend sei angemerkt, dass der Kirchentag, unserem Verständnis nach, nach außen hin den Eindruck erweckte, auf dem Bekenntnis zum Tier als dem Menschen gleichwertiges Lebewesen zu gründen. Dass tiernutzenden Interessengruppen unkritisch ein Werbeforum gegeben wurde, hat uns enttäuscht. Zumindest hätte man die betreffenden Tiernutzungen auch kritisch reflektieren sollen. Wir bestreiten auch, dass "Gehorsam" das A und O der Hundeerziehung ist (Programmpunkt Hundeführer...). Dies sind vielmehr Wissen und Einfühlungsvermögen. Die Sicht auf den Hund unter dem Aspekt des Gehorsams erinnert mehr ans Militär und Hunde als Mittel zum Zweck, denn an Mitgeschöpflichkeit.
 
Wenn der Kirchentag eher ein Forum für weit auseinanderliegende Bilder von der Mensch-Tier-Beziehung sein sollte – zwischen dem Tier als Mittel zum Zweck bis hin zu einer Begegnung auf Augenhöhe – hätte dies für alle Teilnehmer und Besucher erkennbar sein sollen. Denn wenn Veranstaltungen oder Institutionen, die sich nach außen als "Tierschutz" präsentieren, bestimmte Tiernutzungen bewerben, dann kann das von Nicht-Insidern leicht über Leiden von Tieren hinwegtäuschen.
Das untergräbt die Sache der Tiere nachhaltiger, als es Äußerungen derjenigen vermögen, die für jeden ersichtlich vom Tierleid profitieren.
 
Es ist den Tieren dienlich, wenn transparent ist, wer warum mit wem und unter welchen Bedingungen kooperiert und welche Auswirkungen das auf die Positionierung in Tierschutzfragen hat.
Wir hatten von diesem Kirchentag erhofft, dass er eindeutig Partei für die Tiere ergreift.
 
Auch wenn wir den Organisatoren unsere Rückmeldung zu der Veranstaltung bereits gegeben haben, finden wir es doch wichtig, die Probleme der Veranstaltung auch öffentlich zu kommunizieren und zwar im Wesentlichen aus folgenden Gründen:
 
Aussitzen reicht nicht
Kritik und Reflexion sind notwendige Mittel zur Verbesserung. Strittige Punkte und Probleme auszusprechen darf nicht mit Geringschätzung verwechselt werden. Auseinandersetzungen über Ziele und die Wege dorthin gehören auch in die Tierschutzdiskussion. Der Kirchentag Mensch und Tier war eine bundesweite Veranstaltung, die bundesweit zur Kenntnis genommen werden wollte. Man bat explizit um Beiträge unter anderem unseres Vereins. Wenn wir im Nachhinein Probleme unter den Teppich kehren, würde das der ehrgeizigen Gesamtkonzeption, an der wir ja auch einen Anteil hatten, nicht gerecht.
 
Achtung für Tiere hätte nicht die Ressourcen, eine solche Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Wir denken aber nicht, dass uns dieser Umstand verbietet, von unseren Erfahrungen auf dem Kirchentag Mensch Tier zu berichten. Teilnehmer, mit denen wir sprachen, äußerten nämlich ähnliche Einschätzungen wie wir... Umso erstaunter waren wir, dass die Organisatoren sich öffentlich hochzufrieden zeigten. Das vermittelte uns den Eindruck, dass die massiven Probleme und das Ausmaß verschwendeter materieller Ressourcen, menschlicher Arbeitskraft und Motivation des Einzelnen nicht wahr- oder ernstgenommen wurden.
 
Ausblick
Vieles hätte zwecks Schadensbegrenzung offener und ehrlicher kommuniziert werden und es hätte kritischer reflektiert werden sollen. Wir wollen es dabei belassen und fragen uns, ob es nicht lohnender ist, künftig bei etablierten Kirchentagen nicht nur beim Markt der Möglichkeiten mitzuwirken, sondern deutlich zu machen, dass wir ein weiteres Ausklammern der Tiere aus den großen Veranstaltungen nicht mehr kommentarlos hinnehmen.
 
tl_files/_aft/bilder/themen/Tierschutzaktionen/Kirchentag_Mensch-und-Tier_2010/Kirchentag_2010_1.jpgDen Tierschutz-Parcours „Esel Herbert trabt durchs Tierschutzland“, den wir in wochenlanger Arbeit extra für den Kirchentag ausgefeilt hatten, werden wir für andere Zwecke umgestalten. Elemente aus dem komplexen Gottesdienst wollen wir in geeigneter Form der Öffentlichkeit zugänglich machen.
 
An dieser Stelle allen Mitwirkenden, die Zeit, Kraft und, nicht zu vergessen, erhebliche Kosten in diesen Tag investiert haben, einen herzlichen Dank für ihren Einsatz!
Wir hoffen, dass Ihr Euch für künftige Aufgaben nicht entmutigen lasst.

Zurück