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Unverhoffte Ferienhilfe

Ein Mitglied der Jugendgruppe half in den Sommerferien bei der Tierversorgung. Da unsere Vorsitzende ein Bandscheibenvorfall ereilte, kam diese Hilfe genau richtig. Lesen Sie hier ein paar Streiflichter des Erlebten.

Sommerferien bei Achtung für Tiere

Sommerferien bei Achtung für TiereIn diesen Sommerferien verbrachte ich die Vormittage mit der Tierpflege bei Achtung für Tiere. Mein Tag begann um fünf Uhr. Wenn ich mein Fahrrad in der Melanchthonstraße abstellte, startete lautes Gebell unserer vier Hundefreunde. Natürlich freute es mich, von den Hunden begrüßt zu werden. Da unsere Vereinsräume sich in einer engen Siedlung befinden, mussten wir das laute Bellen aber sofort stoppen, um keinen Ärger mit den Nachbarn zu bekommen. Drinnen wurde ich von allen vier Hunden übermütig begrüßt. Im Laufe der Zeit lernte ich von Astrid, wie man mit welchem Hund in solchen und anderen Situationen am besten umgeht, denn man kann ein ängstliches Tier, wie unsere Ayse, nicht genauso wie einen frechen, aufdringlichen Murphy behandeln.

Nachdem wir jeden Hund etwas anders zur Ruhe gebracht hatten, fütterte ich: zuerst die Hunde und dann die Katzen. Jedes Tier hatte seinen eigenen Platz und wollte auch nur dort essen. Jedes bekam eine andere Menge und viele Tiere aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme spezielle Diätfutter. Doch die meisten wollten nicht nur ihr eigenes, sondern auch das Futter ihrer zahlreichen Mitbewohner essen. Ich musste also aufpassen, damit auch scheue Tiere wie Lilly, Pfötchen oder Meerschweinchen ihre Portion aufessen konnten.

Sommerferien bei Achtung für TiereBeim Füttern der Katzen machte ich anfangs viele Fehler, da ich von manchen Katzen bisher nur gehört, sie aber noch nie gesehen hatte. Doch mit jedem Tag bekam ich mehr Übung und alles klappte besser. Irgendwann schlug auch Paul mir nicht mehr den halbgefüllten Napf aus der Hand, weil ich ihn seiner Meinung nach zu langsam befüllte. Scheue Katzen, denen anfangs in meiner Gegenwart vor lauter Angst der Appetit vergangen war, wurden zutraulicher und guckten schließlich nur noch etwas misstrauisch, wenn ich an ihnen vorbei ging.

Das zunehmende Vertrauen der Tiere machte sich auch auf den Spaziergängen mit den Hunden bemerkbar. Als ich während der Schulzeit nur einmal in der Woche gekommen war, hatten mir die Hunde nie wirklich gehorcht. Nachdem wir uns nun aber gegenseitig täglich besser kennenlernten, klappten immer mehr und auch schwierigere Dinge. Besonders Murphy und Bilbo hörten immer besser auf mich. Tiere sind keine Maschinen, die immer alles so machen, wie irgendjemand sie programmiert hat. Sommerferien bei Achtung für TiereTiere sind Lebewesen, wie wir Menschen auch. Sie brauchen Zeit, bis sie einen Rudelführer anerkennen und darauf vertrauen, dass der  immer das Richtige für sie tut. Um dieses Vertrauen aufzubauen reicht es nicht, sich einmal im Monat oder einmal in der Woche mit Tieren zu beschäftigen. Man muss jeden Tag mit ihnen üben, sie loben, sie streicheln, sie manchmal aber auch ignorieren oder ihnen Grenzen setzen. Auch unsere Tiere können leider nicht frei leben. Damit wir sie vor Gefahren beschützen können, müssen sie auf uns hören und dazu ist Erziehung nötig.

Sommerferien bei Achtung für TiereNach dem Füttern machte ich die Katzentoiletten sauber und wischte die vielen Stellen, an denen inkontinente Katzen so hinmachen...Wir trugen Katzen  hin und her und „sortierten“ sie an ihren richtigen Platz für den Vormittag. Nach den Spaziergängen mit den Hunden fuhren wir zu unseren Eseln Mira, Lotta und Benjamin. Auch sie konnte ich immer besser einschätzen. Wir misteten ihren Stall aus, sammelten „Eseläpfel“, gaben ihnen Heu und Äste, steckten ihre Wiese weiter und entfernten Eichenlaub und Pflanzen, die Esel lieber nicht essen sollen. Wenn wir Zeit hatten, machten wir mit den Eseln Klickertraining oder gingen mit den Dreien spazieren. Hierbei war es besonders wichtig zu beobachten, wie sie sich gerade fühlten. Ich musste jede Bewegung des Esels genau verfolgen um zu erkennen, ob ich ihn am Halfter festhalten musste oder ihn am langen Strick laufen lassen durfte.

Sommerferien bei Achtung für TiereMittags ging ich oft noch einmal mit Bilbo, Murphy und Ayse spazieren. An manchen Tagen übte ich mit ihnen auch Klickertraining, um für ihre geistige Arbeit zu sorgen. Sie sollten beispielsweise Gegenstände mit der Nase anstupsen oder sie umwerfen. Wenn sie die Übung geschafft hatten, klickte ich und gab ihnen zur Belohnung ein Leckerli. Es war wichtig, sie genau zu beobachten, um nicht im falschen Moment zu klicken. Das Leckerli durfte auch nicht zu hoch oder zu tief gehalten werden, um sie nicht zu verwirren. Es war viel Training erforderlich. Wenn eine Übung an einem Tag gut klappte, war sie am nächsten Tag manchmal eine Katastrophe. Es gab Tage, an denen die Hunde sofort gut mitmachten. An anderen konnten wir nur die einfachsten Übungen machen, weil die Hunde sich nicht konzentrieren konnten. Unsere Hundefreunde haben nicht nur körperliche Krankheiten, sondern sind aufgrund ihrer Vorgeschichten auch seelisch leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass wir Menschen auf ihre Tagesform Rücksicht nehmen.

Bei Tieren kommt man dem Ziel oft nur mit kleinen Schritten näher und man muss auch Rückschritte aushalten können. Eigentlich ist es mit unserer gesamten Tierschutzarbeit ähnlich: Wir müssen durchhalten und dürfen uns nicht entmutigen lassen!
 
Sommerferien bei Achtung für TiereUm etwa 13 Uhr war ich nach so einem Tag wieder zu Hause. Aber es gab wenige Tage, die so abliefen, wie ich sie beschrieben habe. Oft mussten wir das geplante Programm plötzlich umwerfen, weil ein Tier krank war oder irgendetwas anderes zusätzlich und sofort erledigt werden musste. Tiere sind viel öfter krank, als ich gedacht hatte. Und es leben im Augenblick neunzehn Tiere bei uns, von denen alle entweder chronisch krank, alt oder alt und krank sind. Und obwohl ich das wusste, wurde mir erst während dieser sechs Wochen klar, wie oft die Tiere etwas haben und dass das oft sehr teuer ist. Allein innerhalb dieser kurzen Zeit musste Lina an einem schmerzhaften Darmverschluss operiert werden und mehrere Tage in der Klinik bleiben. Bilbo musste im Notdienst in Narkose von einer schmerzhaften Granne im Ohr befreit und an einem anderen Tag seine Tumorerkrankung weiter untersucht werden.

Etliche Katzen überstanden eine Virusinfektion, Härchen eine Haarballenverstopfung (man kann sie nicht bürsten). Lina bekam plötzlich die „Beulenpest“, unsere alte Ayse eine Blasenentzündung. Dann wieder musste ein Schmied, der sich mit Eseln auskennt, bestellt werden, weil unsere Esel Fußpflege brauchten. Oder wir haben Hufschuhe vermessen und bestellt, sodass die drei Grautiere nun auch auf Schotter laufen können. Überhaupt werden dauernd Futter, Medikamente und viele andere Dinge, z. B. kaputte Zelte ... bestellt. Vieles muss ausgepackt und aufgebaut und dann leider gleich wieder eingepackt und zurück geschickt werden - weil es defekt geliefert wurde,  weshalb man zu einem bestimmten Zeitpunkt zu Hause sein musste.

Sommerferien bei Achtung für TiereWenn besondere Dinge passierten, kam ich auch nachmittags. Ich fuhr mit, als wir Benjamin abholten, und sah zu, wie er sein neues Zuhause erkundete. Ich beobachtete täglich wie Lotta, Mira und Benjamin sich besser kennenlernten und sich immer mehr respektierten. Besonders spannend fand ich den Tag, an dem wir unseren Eseln und Bilbo Blut abnahmen, um zu wissen, ob sie krank waren und welches Futter für sie in den nächsten Monaten das Beste ist. Einfache Tierarztarbeiten kann Astrid im Moment noch selbst ausführen. Für alle größeren Untersuchungen und Behandlungen fahren wir in eine Kleintierklinik. Dort gibt es Röntgen- und Ultraschallgeräte und die Tiere können operiert werden. 

Ich fand die Arbeit bei Achtung für Tiere besonders anfangs ziemlich anstrengend. Aber mir machte alles auch viel Spaß, sodass die Anstrengung schnell vergessen war. Jedes Tier begegnete mir als liebenswerte und lebensfrohe Persönlichkeit, und es war immer wieder toll zu sehen, wie sie sich jeden einzelnen Tag ihres Lebens selbst über die kleinsten Kleinigkeiten freuen konnten. Insgesamt habe ich in diesen sechs Wochen wohl mehr über Tiere gelernt als je zuvor.

Marie Eggert

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