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Deutsches Primatenzentrum


Schönfärberei vor dem Gefängnisrundgang

P1130907.jpg Tierexperimentatoren und ihre Interessenvertreter wirken professionell auf Schülerinnen und Schüler ein. Wir wollten den Arbeitsalltag der Tiere verbrauchenden Forschung aus erster Hand kennenlernen und baten beim Zusammenschluss großer deutscher Wissenschaftsorganisationen – ganz im Sinne der Transparenz, von der dort so viel die Rede ist – um Terminvermittlung bei einer Einrichtung in unserer Nähe, um uns Tierhaltung ansehen zu können. Insbesondere hätte uns interessiert, Tierversuche der verschiedenen Schweregrade (sog. Belastungsstufen nach zu erwartendem Tierleid) erleben zu können.

Transparenz Fehlanzeige

Unsere diesbezüglichen Anfragen an die Universität Bielefeld wurden mehrfach ignoriert. Auch vom Zusammenschluss der Wissenschaftsorganisationen erhielten wir eine Abfuhr: Stattdessen schickte man uns ins Deutsche Primatenzentrum (DPZ) nach Göttingen, offenbar das Vorzeigelabor deutscher Tierexperimentatoren. Allerdings durften wir auch dessen Versuche nicht ansehen. Man bot uns eine Führung durch die Tierhaltung in der Zuchtstation mit Diskussion an. Bevor wir weiterhin gar nichts ansehen konnten, nahmen wir an und machten uns auf die lange Fahrt nach Göttingen.

Ermüdung und Verharmlosung

In der imposanten Eingangshalle, die an ein Großstadtmuseum erinnert, müssen wir die Belehrung über das Verbot von Video- und Audioaufzeichnungen quittieren. Fotografieren ist zwar erlaubt – Veröffentlichungen jedoch nur mit dem gesondert einzuholenden Einverständnis des DPZ gestattet. Das Foto von der Tierhaltung, das Sie hier sehen, mussten wir extra absegnen lassen. Nicht zeigen dürfen wir z. B. die lange Reihe von Affen, die in ihrem winzigen, stinkenden „Gehege“, nebeneinander aufgereiht an den Gittern leckten, ihre Arme nach uns ausstreckten oder uns einfach nur ernst in die Augen sahen.

Grafiken informieren über die ständig steigenden Fördersummen aus öffentlicher Hand. Wie das zu dem Credo der Verringerung von Tierversuchen passt, das Politik und tierexperimentelle Wissenschaft gerne wiederholen, darauf erhalten wir in der späteren Diskussionsrunde keine schlüssige Antwort.

Pressesprecherin Susanne Diederich hatte uns gegenüber im Vorfeld insgesamt gute zwei Stunden für Führung und Diskussion angesetzt. Doch nun hält sie uns einen mehr als 45 Minuten dauernden Vortrag. Im Anschluss verbraucht der Tierschutzbeauftrage, Tierarzt Prof. Dr. Franz-Josef Kaup noch einmal mehr als 30 Minuten. Mit Veranstaltungen wie der, die man uns an diesem Tag bietet, richtet sich das DPZ sonst vor allem auch an Schülergruppen. Uns als Tierschutzorganisation und Tierversuchsgegner, was den Veranstaltern ja bekannt war, sind die Rechtfertigungen und Werbeaussagen der tierexperimentellen Forschung seit vielen Jahren bekannt, weshalb beide Selbstdarstellungen uns auch nichts nennenswert Neues bringen. Wer die Wahrheit über Tierversuche nicht kennt und nicht vom Fach ist, ist nach diesen beiden Vorträgen allerdings erstens müde, zweitens beruhigt, dass Tierversuche ja nicht schlimm sind und er glaubt möglicherweise dass die gigantische Steuerverschwendung auch noch anderen Menschen (außer denen, die am Primatenzentrum Geld verdienen) nützt.

„Schonende“ Tierversuche auf Basis von „Kooperation“

Susanne Diederich führt mehrere Filme vor, in denen Makaken in verschiedenen Versuchsvorbereitungen und im „Primatenstuhl“ zu sehen sind. Tiere werden durch das Käfiggitter mit Klickertraining auf das Greifen nach einem Karabinerhaken dressiert. Später sollen sie in einen „Primatenstuhl“ gesperrt werden. Dann müssen sie z.B. auf Muster auf einem Bildschirm reagieren. Ihre „Mitarbeit“ in solchen Versuchen ist im Tierversuchsjargon, das Ergebnis eines „schonenden“ „Trainings“, bei dem die Tiere „darauf trainiert“ werden, „mit dem Menschen zu kooperieren“. Sie müssen sich während der Versuchsphasen „ihre Flüssigkeit erarbeiten“. Das bedeutet jeder Tropfen kommt für die Dauer der gesamten Studie – außer an Wochenenden (wenn nicht an den Tieren geforscht wird) – nur über das Trinkröhrchen, das zum Stuhl gehört, und nur, wenn der Affe im Sinne des Experiments „arbeitet“.

Bevor sie einige Folien über Rechtslage und Genehmigungsprozess zeigt, behauptet Diederich, es herrsche häufig die Vorstellung, Tierversuche wären rechtlich gar nicht reguliert. Neben der Alternative ‚rechtsfreier Raum‘ sieht jede noch so mangelhafte Reglementierung gut aus.

Solche und ähnliche Kniffe scheinen in vielen Zusammenhängen gut zu funktionieren, denn unserer Erfahrung nach sind die meisten Laien der irrigen Auffassung, Tierversuche unterlägen sehr strikten gesetzlichen Bedingungen. In Wirklichkeit enthält das Tierschutzgesetz so viele unbestimmte Rechtsbegriffe, wie kaum ein anderes Gesetz. Es erlaubt unvorstellbare Grausamkeiten und zwar bereits dann, wenn Forscher lediglich „erwarten“, dass dies Nutzen bringt. Gerade unter dem Deckmantel der „Grundlagenforschung“ lässt sich nahezu jede Versuchsanordnung rechtfertigen.

Die Behörde als Freund und Helfer

Diederich sieht Behörden als wirksame Kontrollinstanzen, die über Tierversuche wachen. Zwar würden viele Tierversuchsanträge genehmigt. Das sei aber nicht das Zeichen niedriger Hürden. Vielmehr habe die Behörde die Aufgabe, Forscher dahingehend zu beraten, dass diese einen guten, „genehmigungsfähigen Antrag“ stellen. Die Behörde wird also als Freund und Helfer bei der Umsetzung eines Tierversuchsvorhabens gesehen. In der Diskussionsrunde wird uns später erklärt, man ziehe Anträge zurück, wenn aus den Rückfragen der Behörden ersichtlich werde, dass ein Antrag partout nicht genehmigt werde.

Vorzeigegefängnis

Dann spricht der stellvertretende Leiter des DPZ, Prof. Dr. Franz-Josef Kaup. Er ist seit 25 Jahren am DPZ tätig, Tierarzt, Tierschutzbeauftragter, und Leiter der Primatenhaltung in einer Person. Er betont, dass es für die Haltung natürlich Mindestvorschriften gebe, die z.B. Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit, Größe der Käfige usw. betreffen. Interessant ist, wie er weitere Grundlagen für seine Primatenhaltung ersonnen hat: Zu Beginn seiner Tätigkeit am DPZ habe er diese abgeleitet aus der Haltung von menschlichen Primaten. Schließlich gebe es in Deutschland eine häufig anzutreffende Haltung von menschlichen Primaten: Gefängnisse! (Ja, Kaup redet nun wirklich über Gefängnisse für Menschen.) Auch dort gebe es Primaten in Gefangenschaft und in der „Obhut“ anderer Menschen. Und ähnlich wichtig wie dort sei für alle Primaten die soziale Interaktion. Da sei ein großer Unterscheid zu anderen „Versuchstieren“. Auch Beschäftigung sei ähnlich bedeutsam wie für uns Menschen („Menschen fummeln immer …“).

Dann gibt Kaup ein anschauliches Beispiel: Unser Seminarraum würde unter Tierversuchs-Gesichtspunkten ausreichen, „um uns hier ein halbes Jahr zu halten“. Wohlgemerkt: Wir sitzen mit 14 Personen in einem kahlen Seminarraum mit 3 Tischreihen plus Stühlen, Pult, Whiteboard, Flipchart, halbhohem Aktenschrank, Beamer, Telefon, Uhr. Kaup erläutert das Beschäftigungsbedürfnis von Primaten, indem er sagt, wir würden in einem halben Jahr in diesem Raum sicher alles Mögliche mal in die Hand nehmen, die Uhr würde sicher auch mal von der Wand kommen.

Eine peinliche Frage

Zu Beginn der anschließenden Diskussionsrunde wird die Frage gestellt, wie viel Prof. Kaup im DPZ verdient. Kaup reagiert aufbrausend und überrascht, kann sein Gehalt nicht beziffern, das könne man aber googeln, es sei ja dasselbe wie das jedes C3-Professors an einer Uni in Niedersachsen, im Moment komme noch Kindergeld dazu. Auch der Biologe Uwe Schönmann, der später die Führung durch Teile der Tierhaltung leitet, möchte die Frage nach dem Gehalt der Tierpfleger nicht genau beantworten. Er habe schon viele Führungen gemacht (mit 10.000-20.000 Besuchern) und diese Frage sei ihm noch nie gestellt worden. Sie sei in diesem Zusammenhang „peinlich“. Wir haben gegoogelt und gefunden, dass Tierpfleger in Laboren mit ca. 3.000 Euro monatlich rechnen können.

„Sehr subjektive Kriterien“

Kurz darauf korrigiert Kaup die Darstellung seiner Pressesprecherin. Die hatte in ihrem Vortrag gesagt, Tierversuche an Affen würden nur durchgeführt, wenn keine „niedriger entwickelte“ oder „weniger leidensfähige“ Tierart verwendet werden könnte. Als nun jemand nach der Verwendung von „weniger schmerzempfindlichen Tieren“ fragen will, unterbricht Kaup: es gehe um sinnesphysiologisch niedriger entwickelte Tiere, das habe mit Schmerz gar nichts zu tun! Doch selbst was eine sinnesphysiologisch niedrigere Entwickelung sei, kann er kaum beantworten. Innerhalb der für einen Versuch infrage kommenden Tierarten müsse man da „nach sehr subjektiven Kriterien entscheiden: Wer ist sinnesphysiologisch niedriger entwickelt?“ Eine wesentliche Größe, die dafür herangezogen wird, dass Tierversuche möglichst wenig Leid anrichten, ist also vollkommen unklar und wird Kaup zufolge „nach sehr subjektiven Kriterien“ bemessen!

Amtsveterinäre als Servicekräfte?

Die Frage nach Kontrollen durch das Veterinäramt scheint Kaup regelrecht zu erfreuen. Der alte Kreisveterinär sei alle 14 Tage unangemeldet da gewesen, berichtet er. Er wirkt dabei triumphierend, denn: „Das Argument kennen wir doch auch!“ Kaup insistiert immer wieder, dass „wir“ bzgl. der Kontrolle keine Angriffsflächen mehr bieten. Statt konkreter Antworten auf Zeiträume und Gegenstände der Kontrollen entgegnet er immer wieder: „Diese Flanke haben wir zugemacht.“ Da gebe es nichts mehr zu kritisieren. Es ist ihm offenkundig sehr wichtig, klarzumachen, dass die Tierexperimentatoren das Kontrollargument kennen und dem jetzt etwas entgegenzuhalten hätten.

Regelmäßigkeit macht Kontrollen natürlich genauso vorhersehbar wie eine dezidierte Ankündigung. Aber auch das ist für Kaup kein Problem, denn er berichtet, er selber habe den Veterinär gebeten, unangemeldet zu kommen. Ähnlich wie die beratende Behörde als Helfer bei der Antragsformulierung scheint man den Amtsveterinär auch als Servicekraft zu sehen, die helfen kann, die eigene Außendarstellung zu verbessern.

Es ist bekannt, dass Amtsveterinäre in der Regel bei Standardkontrollen nach fixen Parametern schauen wie Platzangebot, Sauberkeit, äußerlich sichtbarer Gesundheitszustand usw. Andere Faktoren des Tierleids, wie psychische Dauerbelastungen und damit einhergehende Verhaltensstörungen können sie bei kurzen Besuchen nicht feststellen. Folglich müssen sich Tierversuchslabore nur auf die „Kontrollpunkte“ einstellen. Da es offenbar gut gelingt, so die Außendarstellung zu optimieren, werden „Versuchstiere“ von den Forschern gerne als die am besten gehaltenen Tiere bezeichnet.

Auf Nachfrage stellt sich dann heraus, dass der „alte“ Amtsveterinär mittlerweile aus dem Dienst ausgeschieden ist und seit 3 Monaten niemand mehr da war. Auf die weitere Nachfrage, ob der alte Amtsveterinär Experte für Primaten gewesen sei, muss Kaup zwar verneinen, aber einerseits arbeite man sich über die Jahre ja ein und außerdem habe das DPZ ein hausinternes (!) Kontrollsystem. Die eigenen Tierärzte kontrollierten ständig. Kaup meint wiederum: „Die Flanke haben wir dichtgemacht!“ Dem Problem, dass die meiste Lebens- und Leidenszeit der Tiere also unabhängiger Kontrolle (und erst recht lückenloser Überwachung) entzogen ist, will man also u.a. mit freiwilliger Selbstkontrolle begegnen.

Grund zur Trauer, nicht zum Feiern

Das DPZ feierte 2017 40-jähriges Bestehen. Wir finden, das ist ein Grund zu trauern, nicht zu feiern. Unsere Vorsitzende war vor 40 Jahren bei der Mahnwache zur Eröffnung mit dabei. Jeder gerecht denkende, empfindsame Mensch trauert um die vielen Opfer, die seither nach einem freudlosen Leben in drückender Enge in dem Prachtbau für die Menschen mit Steuergeldern zu Tode gequält wurden.

Ohne Erfolgskontrolle

Die Rechtfertigung von Tierversuchen fußt auf der Behauptung, dass sie eine geeignete Methode sind, um Wissen zu erlangen (das letztlich auch irgendeinen praktischen Nutzen haben soll).

Entscheidend ist also die Frage, ob die „Methode Tierversuch“ denn auch wissenschaftlich geprüft wird. Und ganz konkret bezogen auf das DPZ: Gibt es Forschung, um den Erkenntniswert der durchgeführten Tierversuche systematisch zu prüfen? Wird erforscht, was Tierversuche „taugen“?

Für solche „Forschung über Forschung“ ist wichtig, dass alle Studien eines Typs, deren Aussagekraft man prüfen will, zugänglich sind. Doch negative Resultate werden kaum veröffentlicht. Wenn die Hypothese lautete „Substanz X hat den Effekt Y“ und diese Annahme wird durch das Experiment nicht bestätigt, dann ist das ein unattraktives Ergebnis.

Wir stellten also die Frage: Werden negative Resultate der Forschung am DPZ veröffentlicht?

Darauf antwortet Kaup nur ausweichend. Schon die Frage nach dem Nutzen von Tierversuchen hatte er in seinem Vortrag pflichtschuldig bis genervt abgehandelt („Wir werden immer nach Benefits gefragt…“). Nun redet er zunächst über die Entwicklung von „Modellen“ (also Tierversuchen) am DPZ. Auf Nachfrage sagt Kaup schließlich, dass keine Forschung zur Aussagekraft der Modelle stattfindet (denn die Modelle seien alle „durchdefiniert“). Und die negativen Resultate? Die würden in Vorträgen und auf Konferenzpostern bekannt gemacht, die Community sei klein, er kenne alle Primatenforscher in Europa, man tausche sich aus.

Man fragt sich: Welcher Forscher, dessen Resultate nicht für eine Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift – der Währung von Forscherkarrieren – taugen, verbringt seine Zeit damit, daraus stattdessen ein Konferenzposter zu gestalten? Ein Poster, das dann außerdem auch noch in einem Einreichungsprozess zur Präsentation ausgewählt werden müsste...

Wir sagen dazu: Es ist verheerend für die Tiere, wenn Ergebnisse aus Tierversuchen in Schubladen verschwinden: Das verfälscht systematisch die Grundlage für eine Einschätzung des Werts von Tierversuchen. Wenn Versuche, bei denen man zeigt, was man zeigen wollte, überrepräsentiert sind (was ja noch lange nicht bedeutet, dass das Gezeigte für Menschen irgendwie relevant ist), trägt das entscheidend dazu bei, die Methode Tierversuch systematisch zu überschätzen.

Das „richtige“ oder das verfügbare Mittel?

Als wir nach Forschung zu sog. „Alternativmethoden“ fragen, erinnert Kaup daran, dass das DPZ den staatlichen Auftrag zur Forschung an Primaten hat. In die Entwicklung von Alternativmethoden wird hier darum kein Geld gesteckt. Aber während der Antragstellung müsse man über Alternativmethoden nachdenken.

Unklar bleibt in diesem Zusammenhang, was ein Forscher tut, der am DPZ oder an einer anderen tierexperimentellen Einrichtung seine Forschung verrichtet, wenn ihn seine Fragen – ganz ergebnisoffen – zu anderen Methoden führen. Offensichtlich ist, dass man massiv in Labore investiert, das alles muss sich lohnen und es gibt den praktischen Rahmen vor, in dem Forscher arbeiten. Die am Ort gegebene Infrastruktur begrenzt, welchen Fragen sich die Forscher überhaupt zuwenden. Eine solche Forschung ist aber keine ergebnisoffene Suche nach den besten Methoden.

Der Amtsveterinär klopft an

Wir möchten wissen, wie es unsere Gesprächspartner deuten, dass wir trotz konkreter Nachfrage keine Tierversuche in unserer Nähe, sondern nur das DPZ und nur Teile der Tierhaltung, jedoch keine Versuche sehen dürfen. Kaup ist der Auffassung, wenn er jemandem Tierversuche zeigen würde („wenn ich Sie ins Set lassen würde“), würde er gegen das Tierschutzgesetz verstoßen, denn beim Eintreten einer Besuchergruppe sei sofort die Möglichkeit gegeben, dass die Tiere Schmerzen/ Leiden/ Schäden erlitten. Pressesprecherin Diederich ergänzt, die Tiere seien durch die Anwesenheit einer weiteren Person gestresst, die Daten des Tages damit wertlos.

Umso erstaunlicher ist, dass unmittelbar danach berichtet wird, es würden manchmal Ausnahmen gemacht: für Politiker oder Journalisten. Kaup meint, Verantwortliche anderer Einrichtungen würden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn sie hörten, wie nah man im DPZ Gruppen allein schon an die Gehege lasse. Über einen möglichen Besuch im Labor sagt er voraus, man würde „enttäuscht sein, weil Sie nur sehen werden, wie der Affe dort arbeitet.“

Warum aber stellt die Anwesenheit des Amtsveterinärs (der laut Aussagen unserer Gesprächspartner noch seine „Praktikanten“ mitbringt) kein Problem dar? Warum werden die Daten während seiner Besuche nicht wertlos? Kaups Erklärung: 1) Der Amtsveterinär hat ein Gesundheitszeugnis. 2) Er ist informiert. Er klopft an, bevor er in den Stall geht.

Wir erfahren u.a. noch, dass die Tiere am DPZ in der Regel nur für einen Versuch genutzt werden. Wie viele Tiere pro Jahr getötet werden, kann er nicht sicher sagen, grob geschätzt, meint Kaup, seien es über die letzten Jahre 100 Tiere pro Jahr – das sei aber schon hoch geschätzt, findet Schönmann.

Zwischenfazit: Oft mussten wir Fragen wiederholen und auf eine Antwort pochen. Statt klarer Antworten wurde ausgewichen, abgelenkt und Anekdoten erzählt. Kaup trat an Fragesteller immer wieder nahe heran, versuchte, ein Frage-Antwort-Spiel mit seinem Publikum zu starten und sprach unsere Vorsitzende als Kollegin/ Tierärztin an.

Die Führung

Niedliche Tiere, Zooatmosphäre

Die Führung mit „Koloniemanager“ Uwe Schönmann beginnt an einem Käfig mit Weißbüschelaffen, die durch eine Glasscheibe von der Cafeteria (!) getrennt sind. Weißbüschelaffen sind flinke kleine Tiere mit puscheligen Ohren und aufmerksamen Gesichtern. Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass man hier von der Niedlichkeit der Tiere etwas Sympathie auf sich abstrahlen lassen möchte. Es ist wie beim Ferkelchen- und Kälbchen-Streicheln auf dem Bauernhof, wo die süßen Tiere auch in den Hintergrund treten lassen, dass sie bald zu Wurst und Wiener Schnitzel verarbeitet werden.

Wir verlassen das Gebäude und gehen zu den Paviankäfigen. Dort stößt Kaup dazu, er gibt den Affen Zweige aus einem Busch am Käfig. In den Käfigen ist kein Grün, nur Mulch und Holzgerüste. Viele Affen bewegen sich unruhig durch den Käfig, manche halten sich an den Türen ins Innere auf, wo sich, hörbar, weitere Tiere befinden.

Aggression, Enge und Gestank

Ein Vergleich mit der Luftansicht aus Google Maps bestätigt später unsere Schätzung, dass die Außenkäfige weniger als 10x10m Grundfläche haben. Darin sind massenhaft Tiere zusammengepfercht. Es riecht stark nach Fäkalien. Einige Tiere greifen andere an. Schönmann erklärt, man nehme keinen Kontakt zu den Tieren auf, nur einmal im Jahr würden alle Tiere für einen Gesundheitscheck unter Narkose gefangen. Einmal im Jahr werde auch der Mulch ausgetauscht, früher habe man Kot aufgesammelt, das mache man nun nicht mehr.

Als wir zum Rhesusaffenkäfig hinübergehen, verschließen Kaup und Diederich ein offenstehendes Außengehege neben den Paviankäfigen. Schönmann sagt, er müsse eigentlich über alles informiert sein, wisse aber auch nicht, warum das Tor offenstand.

Tierversuch als Zuflucht

Die Rhesusaffen beißen einander und schreien. Gegenüber einigen Besuchern stellen Schönmann und Diederich über den im Video gesehenen „Primatenstuhl“ klar: die Tiere könnten sich darin bewegen, seien nicht fixiert. Diederich: „Die schlafen im Affenstuhl auch ein.“ Kaup pflichtet Diederich bei: Ja, die Affen schliefen darin öfter auch erstmal ein, das sei schließlich der einzige Ort, an dem sie vor den anderen Tieren Ruhe hätten.

Hilfe bei Schmerzen: nicht möglich

In der zweiten Anlage sehen wir weitere Makakenkäfige. Die Tiere in diesem Käfig haben nur Steine als Bodenbelag. Schönmann und Diederich erklären, dort habe man ursprünglich auch Naturboden (wie im Nebenkäfig) gehabt, aber diese Gruppe habe den Rasen in Matsch verwandelt und so habe man dort nun eben Steine.

Ein sichtbar sehr altes Weibchen nähert sich, Schönmann schätzt sie auf 26 Jahre. So ein Tier bleibe in der Gruppe, so lange das vertretbar sei. Schmerz- und andere Behandlungen gebe es nicht, man habe keinen Zugriff auf ein Einzeltier. Wir fragen nach: Gibt es auch bei Verletzungen oder wann immer ein Tier Anzeichen von Schmerzen oder Leiden zeigt, keine Behandlung? Beschränken sich Eingriffe also auf die Tötung? Schönmann antwortet, ja, die Tiere blieben so lange in der Gruppe, wie man das vertreten könne, die Tierpfleger hätten das im Blick, man fange die Tiere nicht einzeln raus. Weibchen könnten in vielen Fällen nicht wieder in die Gruppe integriert werden, auch wenn der Käfig, in dem man sie isoliert, neben dem Gruppenkäfig stehe. Er erklärt, dass eine Narkose mit das Belastendste sei – auf die spätere Nachfrage, wie das mit der verbreiteten Behauptung zusammenpasse, Eingriffe unter Narkose seien harmlos, stellt er klar: seine Einschätzung gelte speziell für Makaken.

Kein Mitleid

Auf die Frage, ob ihm die Tiere leidtäten, wenn er sie abgebe und wisse, dass ihnen Leiden zugefügt werden, antwortet Schönmann: „Nein“. Bei den Tierpflegern sei das vielleicht anders, aber man habe sich ja nun mal für diese Tätigkeit entschieden. Manche merkten auch nach 2, 3 Jahren, dass der Job doch nichts für sie sei.

Das haben wir schon immer so gemacht

Auf dem Rückweg fragt er Astrid Reinke, warum sie die Frage nach den Gehältern der DPZ-Mitarbeiter gestellt habe. Astrid erklärt, sie wollte wissen, ob sich die Tätigkeit dort lohne, denn sie könne nicht nachvollziehen, wie jemand freiwillig darin verwickelt sein wolle, dass Tieren Leid zugefügt wird. Sie fragt Schönmann, was der Unterschied zwischen Tieren und Menschen sei, der Versuche an Menschen zu einem Verbrechen und Versuche an Tieren zu einer wissenschaftlichen Leistung mache, die wir alle mit unseren Steuergeldern bezahlen.

Schönmann spricht zunächst mehrfach die Notwendigkeit von Tierversuchen an, redet dann von „unserer sinnesphysiologischen Entwicklung“, „unserem ganzen Empfinden“, „Wissen“, „Intelligenz“. Dass er mit den angeführten Merkmalen keinen Unterschied zwischen allen Menschen und allen Tieren benannt hat, sieht er nicht. Er sagt einfach, das sei eben ein gewaltiger Unterschied – „Das ist ein Tier“ – und wiederholt mehrfach, wir nutzen Tiere schon immer, wir würden sie ja auch essen usw.

Angesprochen auf den „Prachtbau“ DPZ sagt Schönmann – halbwegs entrüstet –, das sei doch kein Prachtbau. Beim Reingehen bemerkt er, wir hätten hoffentlich gesehen, dass man sich hier nicht persönlich bereichern würde. Astrid Reinke verabschiedet er mit den Worten: „Ich finde Sie richtig ätzend.“

Fazit

Wildtiere, Versuchstiere – wie es gerade passt

Offenbar erhalten Affen am DPZ noch weniger Versorgung als Tiere in landwirtschaftlicher Massenhaltung. Ihr Lebensbereich wird nur einmal im Jahr gereinigt, Schmerzen und Verletzungen nicht behandelt. Der Aufwand für ihre Unterbringung wird auf ein Minimum reduziert. Einerseits werden die Tiere in Großgruppen gehalten und, wie Schönmann zwischendurch sagt, „als Wildtiere“ betrachtet, was die Nicht-Eingriffs-Politik rechtfertigen soll, andererseits erhalten sie dafür keine auch nur annähernd Wildnis-ähnlichen Lebensbedingungen und werden für leidvolle, tödliche Versuche benutzt. Dass über den „Primatenstuhl“ als eine willkommene Rückzugsmöglichkeiten für die Affen gesprochen wird, demonstriert eine ganz spezielle Sicht auf Tiere und unterstreicht das Offensichtliche: dass es in den „Freigehegen“ drastisch an Platz und Rückzugsmöglichkeiten mangelt. Die „Mitarbeit“ in Experimenten ist wohl weniger der „natürlichen Neugier“ als bloßer Verzweiflung geschuldet – die „Kooperation“ mit Menschen alternativlos.

Ein Sinnbild für einen der beherrschenden Eindrücke: Über uns fliegen an diesem heißen Sommertag immer wieder Schwalben dicht über die Käfige der Affen und dann davon – die Diskrepanz zwischen Freiheit und Ausgeliefertsein könnte nicht größer sein.

Als wir aufbrechen, kommt eine Gruppe Jugendlicher mit erwachsener Begleitperson an – vermutlich eine Schülergruppe.

Kräfteungleichgewicht

Dass Millionen in das DPZ fließen, ist unübersehbar. Der Bau ist opulent, daraus spricht keine Schonung des Budgets, die im Foyer ausgewiesenen sozialen Leistungen für die Mitarbeiter sind großzügig. Es ist ein Ort, an dem das Kräfteungleichgewicht der Tierexperimentatoren und der Tierversuchsgegner augenfällig wird. Im Vortrag sprach Kaup von der Demokratie, in der man sich für Tierversuche entschieden habe und deren Gesetze jederzeit geändert werden können. Angesichts des riesigen Steuerbudgets, mit denen Tierexperimentatoren nicht nur ihre Versuche, sondern auch die Propaganda dafür betreiben, wirkt das absurd und zynisch.

Es ist nur allzu gut vorstellbar, dass Schülerinnen und Schüler durch die Vorträge und Führungen mit Zoobesuchs-Charakter mundtot gemacht werden und Tierversuche am Ende für harmlos halten. Wer nicht konzentriert darauf achtet, dem kann entgehen, dass die Käfige der Affen trist, klein und dicht belegt sind, während das Grün der Gartenanlagen auf dem Gelände des DPZ dem menschlichen Besucher angenehm, für die Tiere aber unerreichbar ist.

Die ganze Veranstaltung dauerte dann doch vier Stunden. Wir sahen und hörten viel Erschreckendes und Beklemmendes. Hier mussten wir uns auf wenige Beispiele beschränken. Unser Resümee: Es gibt nichts, aber auch gar nichts Gutes, zu Rechtfertigendes oder Beruhigendes am DPZ. Wir werden tun, was in unserer Macht steht, die Indoktrination von Schülerinnen und Schülern durch Tierexperimentatoren zu erschüttern. Bitte helfen Sie uns dabei!

Bilder wie links unten (darunter offenbar etliche von Tieren in Freiheit) findet man auf der Webseite des DPZ – Verwendung ausdrücklich erlaubt. Rechts unten eins unserer eigenen Bilder, dessen Veröffentlichung uns gestattet wurde.

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Bildbeschreibung des DPZ: „Assam-Makake in Thailand“, Foto: Oliver Schuelke, Quelle: dpz.eu

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Bildbeschreibung des DPZ: „Berberaffen“, Foto: Christian Schlögl, Quelle: dpz.eu

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Bildbeschreibung des DPZ: „Weißbüschelaffe“, Foto: Anton Säckl, Quelle: dpz.eu

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