Abschiede

Ari

Gerade hatte ich noch aufgeschrieben, wie Ari zu uns kam. Wie schlecht es ihr vorher gegangen war, dass wir es auch miteinander noch lange schwer hatten und dass sie seit letztem Jahr schwer herzkrank war.

Nun ist Ari dorthin gegangen, wohin wir alle einmal gehen werden. Dahin, woher wir auch gekommen sind. Unsere Verstorbenen sind ja nicht weg, sie sind nur anderswo.

Ich hatte aktuell eigentlich nicht damit gerechnet, dass sie in den nächsten Tagen sterben könnte, denn obwohl ich vom Ultraschall ja wusste, dass ihre Herzwände papierdünn waren, flitzte sie tagtäglich munter durch die Gegend. Wir hatten deutlich schlechtere Zeiten zusammen durchgestanden. Im letzten Dreivierteljahr hatten wir mehrfach eine lebensbedrohliche Verschlechterung ihres Zustands erlebt, zuletzt vor etwa sechs Wochen. Doch am nächsten Tag ging es ihr wieder deutlich besser und sie rannte fidel und laut bellend mit Argo und Tilly um die Wette.

Ich hatte aktuell eigentlich nicht damit gerechnet, dass sie in den nächsten Tagen sterben könnte, denn obwohl ich vom Ultraschall ja wusste, dass ihre Herzwände papierdünn waren, flitzte sie tagtäglich munter durch die Gegend. Wir hatten deutlich schlechtere Zeiten zusammen durchgestanden. Im letzten Dreivierteljahr hatten wir mehrfach eine lebensbedrohliche Verschlechterung ihres Zustands erlebt, zuletzt vor etwa sechs Wochen. Doch am nächsten Tag ging es ihr wieder deutlich besser und sie rannte fidel und laut bellend mit Argo und Tilly um die Wette.

Gerade noch hatte Ari in der ersten Ferienwoche richtig viel Spaß mit den Jugendlichen, die bei uns zu Gast waren, und hatte jede Menge Streicheleinheiten abgegriffen.

An ihrem letzten Lebenstag war auch alles wie immer. Sie aß, trank, ging voller Freude spazieren und tobte mit Argo und Tilly durch den Garten, wenn ein Hund vorbeikam. Drinnen im Wohnzimmer belagerten mich Argo und Ari immer wieder am Schreibtisch.

Spätabends, nach dem letzten Gassigang, hat Ari sich dann schlafen gelegt, auf den von ihr so geliebten „Thron“, der immer oben auf dem Sofa lag. Dort ist sie eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht. Ihr Herz ist im Schlaf stehengeblieben. Mein kleines Mädchen, wie sehr ich dir diesen gnädigen Tod gewünscht habe!

Ari war nicht so ganz einfach zu händeln. Sie hatte einen starken Jagdinstinkt. Schließlich war sie hauptsächlich Terrier und diese Rassen haben die Menschen nun einmal gezielt auf „jagdliche Schärfe“ gezüchtet. Ari war dabei ausgesprochen klug und, nachdem sie ihre Angst besiegt hatte, sehr menschenfreundlich und verschmust. Ihre Probleme bei Hundebegegnungen und mit Fahrradfahrern außerhalb des Hofes hat sie nie überwunden. Waren fremde Hunde z.B. bei Festen länger auf dem Hof, war für sie die Welt aber in Ordnung. Es gab mit ihr auch nicht den geringsten Ärger, wenn wir einen neuen Hund ins Rudel aufnahmen. Wer hier wohnte, war Aris Freund.

Ari hatte ein sonniges Gemüt. Wie auch Argo hatte sie nach ihrer Eingewöhnung konstant gute Laune. Wenn Menschen zum Helfen hier waren, dann konnte man Ari jederzeit nach draußen lassen, ohne die geringsten Bedenken zu haben, dass sie jemandem etwas tun könnte. Alle Menschen, die sie etwas kannten, mochten den kleinen Strubbelhund. Sogar gegenüber Kindern konnte ich mich jederzeit auf ihre Freundlichkeit verlassen. Sie nahm auch Leckerli ausgesprochen vorsichtig. Früher hatte ich sie noch mit in den Tierschutzunterricht genommen, bis ich seit einigen Jahren und nach reiflicher Überlegung zu dem Ergebnis gekommen war, dass man Tiere grundsätzlich nicht zu Menschen schleppen sollte, sondern die Menschen zu den Tieren kommen sollten.

Ari war ziehmlich witzig. Da waren z.B. ihre vielen Diebstähle. Sie hatte ein unfassbares Sprungvermögen, sprang aus dem Stand in der Küche auf die Arbeitsplatte, bis zum letzten Abend. Dabei war sie blitzschnell. Immer, wenn sie jemanden kommen hörte, hopste sie sofort wieder runter. Wir glauben, dass diese schnelle „Flucht“ reine Berechnung war. Denn Ari hat hier nie Strafe erfahren. Sie wird aber verstanden haben, dass wir nicht wussten, wer der Küchendieb war, da wir nie einen der Hunde auf frischer Tat ertappen konnten, sondern nur das Essen weg war oder Reste davon auf Sofas oder anderswo wieder auftauchten.

Ari war ziehmlich witzig. Da waren z.B. ihre vielen Diebstähle. Sie hatte ein unfassbares Sprungvermögen, sprang aus dem Stand in der Küche auf die Arbeitsplatte, bis zum letzten Abend. Dabei war sie blitzschnell. Immer, wenn sie jemanden kommen hörte, hopste sie sofort wieder runter. Wir glauben, dass diese schnelle „Flucht“ reine Berechnung war. Denn Ari hat hier nie Strafe erfahren. Sie wird aber verstanden haben, dass wir nicht wussten, wer der Küchendieb war, da wir nie einen der Hunde auf frischer Tat ertappen konnten, sondern nur das Essen weg war oder Reste davon auf Sofas oder anderswo wieder auftauchten.

So lange hatten wir gerätselt, wer der Dieb war, der regelmäßig die Arbeitsplatte abräumte und wie er oder sie da dran kam, nachdem der große Jupiter es ja nicht mehr sein konnte und Tilly eigentlich zu schüchtern für solche „Übergriffe“ ist. Ari dachte sich bestimmt: „Wenn meine Leute wissen, dass ich das bin, lassen sie sich bestimmt was einfallen, dass ich nicht mehr drankomme und der Spaß ist vorbei!“ Tatsächlich hätten wir ein Gitter vor den Eingang zur Küche ziehen können. Aber das wurde jedes Mal vergessen, wenn es plötzlich an der Tür klingelte, wenn man gerade Essen abgestellt hatte und hier klingelt es oft!

Doch dann sah ich ein einziges Mal nur noch kurz Aris Hinterbeine durch die Luft fliegen und wir hatten wieder ein Stück Brot und eine Gurke weniger – unsere Hunde essen gerne alle veganen Leckereien mit. Da war alles klar.

Nun wird in der Küche nicht mehr geklaut werden…

Wir nehmen eigentlich nur ältere Hunde auf, die jahrelang in Tierheimen saßen und nicht vermittelt werden konnten. Bei Ari war die besondere Situation mit der Tötungsstation vorausgegangen und sie hatte das Glück, dass wir zufällig gerade einen Hundeplatz frei hatten. Sie kam aus einer Übergangspflegestelle und musste nach dem Trauma in der Tötungsstation nicht auch noch jahrelang in einem Tierheimzwinger bleiben. Allerdings kam sie mit einer Bluterkrankung und Anämie, die zunächst behandelt werden musste.

Aris Herzversagen verlief rasant. Wie hatten schon oft Hunde mit Herzinsuffizienz über viele Jahre. Am Ende war die Entscheidung oft schwer, wann der richtige Zeitpunkt gekommen war, sie zu erlösen. Ari schien innerhalb eines einzigen Jahres mehrfach an diesem Punkt angekommen zu sein und hat ihn immer wieder überwunden. Jetzt ist sie gegangen, ruhig im Schlaf, neben ihren besten Freunden.

Die kleine wilde Ari war immer präsent. Wie jedes Tier hier auf unserem Hof hinterlässt sie eine riesige Lücke. Natürlich war es auch mal schön, einen Hund hier zu haben, der im Umgang mit Menschen, sogar mit kleinen, ganz unkompliziert war. Die größte Freude war aber, dass sie ihre Angst vor Menschen überwand, obwohl ihr Menschen so übel mitgespielt hatten.

Rest in peace, meine Süße!

Astrid