Abschiede

Jerry

Jerry gehörte lange zur Achtung für Tiere – Familie. Sie war sportlich und extrem geschickt. Und sie hatte ihre eigenen Pläne vom Leben. Hatte jemand leichtfertig eine Leiter in Zaunnähe abgestellt oder einen Holzstoß verrückt, bekam sie das sofort mit und war „dann mal weg“, im Nachbargarten. Doch die Welt der Menschen ist für Katzen gefährlich und wir konnten sie zum Glück immer wieder schnell einfangen.

Jerry war nicht nur eine Kletterkünstlerin. Sie konnte sich auch verstecken, wie niemand sonst. Ich weiß nicht wie viele Schockaugenblicke sie uns bescherte, wenn wir sie wieder einmal suchten und sie in keinem ihrer bekannten Verstecke zu finden war. Mit großer Kreativität entdeckte oder schuf sie immer neue Orte, wo man in etwas rein oder unter etwas drunter oder dazwischen kriechen konnte. Man stand dann manchmal direkt neben ihr, ohne es zu ahnen. Manchmal verriet sie sich durch ihr Brummen. Manche Verstecke haben wir aber auch nie entdeckt. Sie kam dann irgendwann, wenn es Essen gab. 

Sie war eine unserer wenigen Katzen, die sich gerne streicheln ließ. Wer sich irgendwo hinsetzte, hatte sie sofort auf dem Schoß und sie ging dann auch nicht wieder. Mit ihrer freundlichen zugewandten Wesensart hat sie viele Menschen, besonders Kinder, sehr glücklich gemacht. Ihre Beziehung zu Menschen war von Selbstbestimmung geprägt. Während sie mit vielen der anderen Katzen Probleme hatte, gemobbt wurde oder ihrerseits andere zeitweise ärgerte, war sie gerne und freiwillig im Kontakt mit Menschen, brachte ihnen und sie ihr ganz viel Freude und sie beteiligte sich an Gesprächen mit ihrer hohen zarten Stimme. Jerry war immer dabei, wenn draußen gefrühstückt wurde oder wir im Garten Besprechungen hatten. Bei Besuchen von Schulklassen mussten wir aufpassen, dass sie nicht in den Rucksäcken landete.

Jerry hatte ein schönes und langes Leben. Der Abschied von ihr war umso härter und jäh. Sie bekam plötzlich zentralnervöse Störungen, konnte sich nicht mehr fortbewegen. Nach mehreren Untersuchungen im Notdienst brachte am nächsten Tag eine neurologische Untersuchung inkl. CT die aussichtslose Diagnose Tumor im Kleinhirn mit akuter Blutung. Die Entscheidung, unsere kleine Jerry nicht mehr aufwachen zu lassen, fiel schnell.

Die meisten alten Tiere bekommen alle möglichen Krankheiten und bauen langsam ab. Auch Jerry muss mindestens 16 Jahre alt gewesen sein. Dass wir ein Tier so unvorbereitet und schnell verlieren, kommt selten vor. Doch so traurig man ist, es ist so gut gewesen, dass die Diagnose schnell gestellt wurde und unsere kleine Jerry noch in der Narkose erlöst werden konnte.  

Liebe kleine Katze, schön, dass du bei uns warst. Du hast uns so oft in Angst und Schrecken versetzt, wenn wir dich wieder einmal suchen mussten. Umso mehr haben wir gelacht, wenn wir wieder eines deiner Verstecke entdeckt hatten. Mach es gut, da wo du jetzt bist!