Abschiede

Lina

Lina war seinerzeit zum Sterben zu uns gekommen, damit sie sich nicht in einem steinigen Zwinger die Füße blutig schleifen musste. Einige Monate hatte man ihr noch gegeben. Doch Lina ist etwa 11 Jahre alt geworden. Sie hatte viele chronische Krankheiten, war oft in Kliniken, bei vielen Spezialisten mal hierfür, mal dafür. Unsere Große hatte einen immensen Lebenswillen und dabei so ein sonniges Gemüt – sofern nicht gerade andere Tiere in Sicht waren.

Menschen gegenüber rastete sie regelrecht aus vor Begeisterung. Wenn Freunde oder Mitarbeiter auf den Hof kamen oder wir zum Spaziergang aufbrachen, dann war bestimmt ganz Varensell informiert. Sie nahm sehr aktiv an jedem Sonntagsfrühstück teil und war engagiert und selbstständig bei der Bewachung des Lebenshofes.

Lina liebte allerdings auch nur Menschen. Bei allen anderen Tieren war es bis zuletzt schwierig mit ihr. Ja, sie war ein gefährlicher Hund, aber dafür kann sie nichts. Es sind immer Menschen, die Hunde auf „Schärfe“ züchten und abrichten oder aber sich nicht um sie kümmern, sodass sie gefährlich werden. Nach Bilbo war Murphy der einzige Hund, ja überhaupt das einzige nichtmenschliche Tier, das sie in ihrer Nähe akzeptierte, und es gab ihr Ruhe und Vertrautheit, dass er bis zum letzten Augenblick und danach noch bei ihr war.

Lina hatte eine ganz spezielle Art, für sich einzunehmen. Wer sie einmal in Rage erlebt hatte, wenn sie anderen Hunden begegnete, der konnte sich kaum vorstellen, wie zugewandt und freundlich sie im nächsten Augenblick Menschen gegenüber war, verspielt, verschmust und immer hilfsbereit, wenn es darum ging Stöcke, Bälle oder Maiskolben einzusammeln und hin und her zu tragen. Lange besuchte sie Schülerinnen und Schüler im Tierschutzunterricht. Während der Ferienspiele oder in der Jugendgruppe nahm sie manchem Kind die Angst vor Hunden, auch vor großen, die durchaus etwas an einen Wolf erinnern.

Lina hatte nicht nur einen großen Lebenswillen – sie hatte so viel Lebensfreude, dass sie manchmal gar nicht zu wissen schien, wohin damit. Sie war lustig, laut, stürmisch und herzlich.

Viele trauern um Lina, sind aber auch froh, dass wir ihr bis zum letzten Atemzug beistehen konnten, weil sie hier zuhause sterben konnte, versorgt, behütet, ohne Angst vor fremden Menschen und mit Murphy an ihrer Seite.