Max
Max begegnete uns auf einem unbewohnten Hof. Er sah aus wie der wandelnde Tod, nur Haut und Knochen. Vermutlich war er bereits krank. Wir fingen ihn ein, ließen ihn untersuchen, seine merklichen Beschwerden behandeln und kastrieren. Danach mussten wir ihn auf seinen Hof zurückbringen, denn in Gütersloh war kein Platz für einen kampferprobten Freilaufkater. Wir stellten eine isolierte Katzenhütte auf, damit er es sich darin sauber und kuschelig, gemütlich machen konnte. Doch Max war sehr vorsichtig und zog sich lieber in die Untiefen des baufälligen Stalls zurück. Aber zum Essen und Trinken nutzte er seine Hütte. Ein Jahr lang fütterten wir ihn täglich. Oft bekamen wir ihn allerdings erst nach langen Miau-Duetts zu Gesicht. Er unterhielt sich eben gern. Max wurde ein stattlicher Kater und verdoppelte fast sein Gewicht. Es fiel schwer, ihn dort immer wieder im Unrat und allein zurück zu lassen, zumal eine viel befahrene Straße nahe am Hof vorbei führte.
Kurz vor Weihnachten 2014 fingen wir Max ein zweites Mal, da auf seinem Hof gebaut wurde und der alte Recke heimatlos zu werden drohte. Zu dem Zeitpunkt wussten wir, dass wir bald mit vielen Tieren nach Varensell ziehen würden und Max dort weiter frei laufen konnte. In Varensell freundete Max sich schnell mit den Hunden und den dort eingeborenen Hofkatzen Püppi und Puschel an. Andere Artgenossen wurden gemeinschaftlich in die Flucht geschlagen. Nach Puschels Tod wurden Püppi und Max unzertrennlich. Wenn einer vor dem anderen draußen war, dann wartete der solange vor der Terrassentür, bis Nummer zwei hinterher kam. Der Nachzügler wurde kurz in den Schwitzkasten genommen und beide marschierten zusammen in den Tag.
Max lebte fast ein Jahr in Varensell – ein für ihn sehr gutes Jahr: in Freiheit, selbst bestimmt, mit vielen Abenteuern und unterhaltsamen Erlebnissen. Täglich inspizierte er, immer zusammen mit seiner Freundin Püppi, jeden Meter unseres Hofes und dessen nähere Umgebung. Katzen sind konkurrenzlos in der Begabung aus scheinbar nichts sagenden Gegenständen unterhaltsame Beschäftigungsobjekte zu machen!
Sein vorletztes und vor allem sein letztes Lebensjahr in Varensell waren gute Jahre. Max hatte keine Paten. Aber wir konnten ihm trotzdem alles geben, was zu einem guten Katzenleben gehört – Dank der Hilfe der Menschen, die unsere Arbeit regelmäßig fördern und ermöglichen, dass auch Tiere ohne Paten gut versorgt werden konnten und können.
Herzlichen Dank!

