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3. August 2021

Nahrungsmittel vom Tier bedeuten immer Gewalt

Tierärztin beklagt „staatliches Komplettversagen“

 

„Tritte ins Gesicht von Schweinen und von Kühen, die zu krank sind zum Aufstehen. Knüppel, die auf sie eindreschen, Elektroschocks. Tiere, die bei vollem Bewusstsein an einer Gliedmaße aufgehängt auf Anhänger gezerrt werden. Ein nicht mehr gehfähiges Kalb, das an den Ohren weitergeschleift wird… Brutale Misshandlungen im kommerziellen Umgang mit Tieren kann niemand mehr als Einzelfälle abtun“, kommentiert Tierärztin Astrid Reinke, Vorsitzende von Achtung für Tiere e.V., die Aufnahmen aus einem Betrieb bei Unna, die in der Sendung Fakt vom 27. Juli öffentlich wurden. Mitglieder von Achtung für Tiere hatten sich Samstag spontan einer Kundgebung gegen die aufgedeckten Gewalttaten und die Ausbeutung von Tieren angeschlossen. „Die Undercoverrecherche dokumentiert einmal mehr staatliches Komplettversagen beim Tierschutz.“

„Tiere auszunutzen, bis sie sich nicht mehr auf ihren Beinen halten können, sie sadistischen Tierquälereien auszuliefern, dafür sind wir Menschen verantwortlich“, stellt Reinke klar. Tiernutzung gehe auch dann mit Gewalt einher, wenn alles legal ablaufe: Nach neun Monaten erzwungener Schwangerschaft und Geburtsschmerzen nehme man Kuhmüttern kurzerhand ihre Säuglinge weg, sperre sie einzeln in Käfige. Kurze Zeit später würden sie entweder zur Schlachtung verfrachtet oder selbst für Milch verheizt. „In der Tierwirtschaft wird viel von Tierliebe und Tierwohl geredet. Wer Müttern ihre Säuglinge wegnimmt, liebt beide ganz sicher nicht und will ihnen auch nicht wohl. Dieser Vertrauensbruch kann auch für die Psyche von Menschen nicht gesund sein.“

Säuglingen würden ihre Hornanlagen verätzt, Kühen ihre Hörner vom blutenden Schädel gesägt. „Das war eine der ersten praktischen Tätigkeiten, die wir als angehende Tierärzte absolvieren mussten, gleich nach dem betäubungslosen Verstümmeln männlicher Schweinesäuglinge“, berichtet Reinke. „Nasenringe und Ohrmarken einziehen, das alles ist doch widerlich. Tiere sind empfindsam, wie wir. Aber man behandelt sie wie Dosen: befüllen und ausleeren. Es wundert mich nicht, dass hieraus Brutstätten exzessiver Gewalt entstehen. Die Gewalt ist doch immer schon da. Wenn ich glaube, ich darf jemanden für Leberwurst vernichten – was soll mich zurückhalten, Wut und Frust an ihm abzureagieren? Bei den Gewaltorgien in Unna waren sogar Kinder dabei.“ Wer Gewalt ausleben wolle, finde in der Tiernutzung beste Bedingungen vor, um sich auszutoben – und Grausamkeit als Tradition an Kinder weiterzuvermitteln.

Achtung für Tiere setzt sich mit Bildungsprojekten für den fairen Umgang mit Tieren ein, bietet Tierschutzunterricht und Tierschutz-AGs für Schulen und zeigt auf dem Lebenshof in Varensell, wie sich Tiere verhalten, wenn man sie in Frieden leben lässt. „Kinder müssen altersangemessen erfahren, was Tiernutzung bedeutet. Sie müssen die Wahl haben, das zu befürworten oder abzulehnen. Dazu braucht es Wissen und gedanklichen Freiraum.“