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11. August 2022

Tierschutzverein fordert Abschaffung der Kaninchenhaltung im Gartenschaupark

Achtung für Tiere schlägt Alarm

Bei hochsommerlicher Hitze fanden Mitglieder von Achtung für Tiere e.V. bei der Kaninchenhaltung im Gartenschaupark Rietberg bedrohliche Mängel vor und meldeten sie dem Veterinäramt. „An den bisher heißesten Tagen dieses Jahres sahen wir Käfige ohne Wasser, andere Tiere saßen vor mit Kot verdreckten Näpfen, hatten teilweise nichts zu essen, obwohl Kaninchen Daueresser sind! Kaninchen sind auch sehr hitzeempfindlich. Hohe Temperaturen können für sie lebensbedrohlich werden. Sie brauchen dann kühle, luftige Schattenplätze und müssen engmaschig beobachtet werden“, erklärt Astrid Reinke, Tierärztin und Vorsitzende von Achtung für Tiere. „Die Bäume im Gartenschaupark lieferten nur Halbschatten, der noch dazu wanderte. Zeitweise stand die Sonne direkt auf den von 5 Seiten geschlossenen Kisten, aus denen die Kaninchen nicht entkommen konnten. Bei 33 bzw. 39 Grad Tagestemperatur in Rietberg lagen die Tiere lang ausgestreckt, kratzten hektisch auf dem Boden, atmeten rasend schnell. Wir sahen u.a. auch Kaninchen mit auffälligen stereotypen Bewegungen. Kein Tierhalter darf so eine Situation überhaupt erst entstehen lassen, wie wir sie zufällig vorgefunden haben.“

 Ganz abgesehen von den akut bedrohlichen Missständen gebe es bei der Haltung der Tiere im Gartenschaupark grundlegende Probleme: „Kistenhaltung, Einzelhaltung, keine artgemäßen Beschäftigungsmöglichkeiten… Es ist schockierend, dass heute noch jemand so etwas öffentlich vorzeigen mag“, so Reinke. Kaninchen benötigten Frischkost, Heuraufen dürften nicht so angebracht sein, dass die Tiere Männchen machen müssten, um an ihr Grundnahrungsmittel heranzukommen. „In Aushängen werden auf perfide Weise Haltungsmängel in Vorteile für die Tiere umgedeutet“, ist Reinke empört. „Wie viele Menschen mögen sich in den letzten 12 Jahren Kaninchen angeschafft und die artwidrige tierquälerische Haltung nachgemacht haben?“

„Seit Jahren erreichen uns Beschwerden über die Kaninchenhaltung im Rietberger Gartenschaupark. Wir müssen dann ans Veterinäramt verweisen, denn ein gemeinnütziger Tierschutzverein hat keine hoheitlichen Befugnisse. Aber Tierschutz hat Grundrechtsrang. Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung müssen das umsetzen“, fordert Reinke. „Kaninchen leben in Gruppen, laufen sehr schnell, schlagen Haken, buddeln Gangsysteme. Sie benötigen viel Platz, verschiedene Ebenen, natürliche Nagematerialien, Boden zum Graben, Wurzeln, Röhren, Hütten, höher gelegene Ausgucke u.v.m. Sich wie im Gartenschaupark nicht zurückziehen zu können, bedeutet für sie Stress. Es ist Tierquälerei, bewegungsfreudige Tiere in Kisten zu sperren. Tiere leiden Qualen, wenn sie tief verwurzelte Verhaltensweisen nicht leben können. Das ist grausam und die Stadt Rietberg sollte so etwas nicht auch noch öffentlich präsentieren.“

Vereinsmitglied Michael Biemelt war ebenfalls Zeuge der gemeldeten Missstände: „Ich hatte bisher nichts mit Kaninchen zu tun. Dass die meisten Tiere die Kisten nicht verlassen konnten, dass es nur wenige langweilige Ausläufe gab, dass die meisten Tiere allein im Käfig saßen, das ist mir im Vorbeigehen nicht aufgefallen. Das erschreckt mich schon. Absolut schockiert war ich aber davon, dass einige Tiere gar kein oder mit Kot verdrecktes Wasser hatten und wie furchtbar schnell sie atmeten, als sie bei der großen Hitze eingesperrt waren und die Sonne teilweise auch noch auf die Kisten schien.“

Nach mehrfachem Kontakt zum Veterinäramt wurden einige Tiere einzeln oder zu zweit in die Gehege gelassen, andere wurden nach und nach aus den Kisten entfernt. Reinke habe beim Gartenschaupark nachgefragt, ob nach den neuesten Missständen die Beendigung der Kaninchenausstellung in Sicht sei. Das sei verneint worden, da die Gäste des Parks viel Freude an den Tieren hätten. Man sei „im Gespräch mit den Züchtern“, habe es geheißen. „Die Kaninchenhaltung steht schon lange in der Kritik. Die Aushänge der Züchter lassen kein Unrechtsbewusstsein erkennen. Wir haben in einem Offenen Brief die Parkleitung und Herrn Bürgermeister Sunder aufgefordert, die Kaninchenausstellung unverzüglich abzuschaffen.“

Jeder Tierhalter müsse Grundkenntnisse haben, um Tiere zu versorgen und Hygiene zu gewährleisten sowie gesundheitliche Probleme zu erkennen. Achtung für Tiere verweist in diesem Zusammenhang auf die Stellungnahme der Tierärztlichen Vereinigung Tierschutz (TVT) zur Kaninchenhaltung sowie die Bücher „Artgerechte Haltung – ein Grundrecht auch für (Zwerg-) Kaninchen“ von der Tierärztin Ruth Morgenegg, sowie „Kleine Heimtiere“ von Dr. Henriette Mackensen und Dr. Elke Deininger, Herausgeber Deutscher Tierschutzbund.