Toni
Als wir Toni kennen lernten, war er bereits ein reifer Herr, hatte beginnenden grauen Star und extrem schlechte Zähne. Im Laufe der viereinhalb Jahre, die er bei uns war, kamen Schwerhörigkeit und zuletzt Taubheit hinzu. Außer für Zahnbehandlungen machte Toni bis zuletzt aber selten Bekanntschaft mit Tierärzten.
Unser Kleinster war ein gelassener, mutiger und freundlicher Hofchef. Am letzten Morgen hatten wir „Tierschutz-Laufenten“ noch zusammen mit ihm leckeren Kuchen gegessen. Toni hatte Krebs und durfte nun alles essen, was er gerne wollte. Schön, dass einige seiner Fans da waren und er von ihnen und sie von ihm Abschied nehmen konnten.
Es ist eigentlich Tonis Hof, auf dem wir nun arbeiten. Er ist hier geblieben, zusammen mit den Katzen Püppi und Puschel. Obwohl der kleine Mann das mit Abstand körperlich schwächste Mitglied im Hunderudel war, kannte er keine Angst, war selbstständig, klug und von beachtlicher mentaler Größe!
Früher als Varenseller Streuner dorfbekannt, lernte er doch schnell mit uns an der Leine zu gehen und dabei Spaß zu haben. Kinder mochte er gerne und die Kinder ihn. In den letzten Monaten wurde er oft im Tonimobil spazieren gefahren. Denn er wollte immer mit und zwischendurch die vielen Zeitungen lesen, die es für Hunde an den Wegesrändern gibt.
Toni war passionierter Fußballspieler und immer zu einem kleinen Match aufgelegt. Dann wieder lief er selbst mit kleinen Kindern ganz brav an der Leine.
Unser Kleinster hatte hier schöne Jahre. Er war überall dabei, oft mit zu Besuchen in Schulen, sofern diese im Erdgeschoss waren, denn Treppen mochte er nicht laufen und getragen werden, das war unter seiner Würde!
Wer Toni kannte, behält einen liebenswerten und fröhlichen Freund in Erinnerung.
Wie machen sie das nur, unsere Tier-Freunde? Sie scheinen sie so wenig Angst vor dem Tod zu haben! Wie können wir das von ihnen lernen? Auch Toni nahm seine Krankheit und den bevorstehenden Tod mutig und gelassen an.
Lieber Toni, danke für die Jahre deiner Gesellschaft, für all den Spaß und die Freude mit dir und deine leise zurückhaltende Zuneigung, wenn du mich so oft am Schreibtisch besucht hast.

